Herstellungsarten der Briefmarken.

von
K.
Vieth.
III.

Hochdruck (Chemisch-mechanische Methode)

Die Zinkographie. Zur Herstellung einer Zinkogrphie-Druckplatte kann nur reines Zink in Platten von 1 ½ bis 3 Millimeter Stärke verwendet werden. Dasselbe muss vollkommen glatt sein, also keine Risse und Schrammen haben. Vor dem Aufbringen des Bildes wird die Platte mit feinstem Schmirgelpapier abgezogen und mit Schlämmkreide und Wasser entfettet. Das Bild kann dann entweder direkt aufgezeichnet werden oder umgedruckt. Zum direkten Aufzeichnen im Spiegelbilde benutzt man eine säurefeste Farbe: lithographische Tusche oder eine Harz-(Asphalt-)Lösung. Zum Umdrucke wird ein mit einer Kleisterschicht bestrichenes Papier benutzt, das dann mit Farbe, die sehr fett sein muss, bezeichnet wird da sich der Kleister und die Farbe nicht verbinden und die Farbe von den Papierfasern nicht aufgesogen werden kann, so gibt das auf die Zinkplatte gepresste Papier die ab. Von den Umdrucken gibt es zwei vollkommen verschiedene Arten: 1 die Auto-graphie und 2 Umdrucke von schon vorhanden Druckstöcken.
Bei der Autographie wird Selbstgeschriebenes druckbar gemacht, indem man mit fetter (Autographier-)Tinte auf gewöhnlichem Schreibpapier die Zeichnung macht und dann auf die Zinkplatte überträgt. (Näher darauf eingehen werden ich jedoch erst bei der Beschreibung der Flach-druckarten). Dagegen wird die zweite Art in der Philatelie viel angewendet. Man stellt einen „Urstock“ von einem Markenbilde her, druckt diesen auf Papier ab und überträgt den Abdruck auf eine andere Platte, mehrere derselben werden dann zu einem Markenbogen zusammengesetzt. Dieses bedeutet für den Zinkographen eine außerordentliche Arbeitserleichterung, denn während er z.B. wie bei dem Bogen der Danziger Pfennigwerte 100mal dasselbe Klischee herstellen müsste, hat er es nur einmal nötig, indem er eins anfertigt und dann die weiteren überdruckt. Das hierdurch dem Sammler viele Typenarten erspart bleiben, mag der „Typenjäger“ bedauern, der ernste Sammler dagegen freuen, denn dass sonst eine jede Marke eine besondere Typenart darstellen würde, wird wohl jedem einleuchten.
Der zweite Arbeitsgang besteht in der Ätzung“, die mit verdünnter Salpetersäure vorgenommen wird. Zunächst wird die Platte auf der Rückseite und an den Seiten zum Schutze gegen die Säure mit Schellacklösung bestrichen. Da sich nun die Säure nicht senkrecht, sondern schräg nach innen in das Metall einfrisst, so würden, wenn man eine hochprozentige Säuremischung nehmen würde, die feinen Punkte und Striche unterfressen werden und in kurzer Zeit verschwinden. Darum wird zuerst eine stark wässrige Säurmischung genommen und die Platte so lange darin gelassen, bis die feinen Partien hoch genug auf der Platte stehen. Dann wird sie abgespült, die betreffenden Stellen ganz mit Farbe bedeckt und die erhabenen Linien an beiden Seiten mit Farbe bestrichen. Würde die Säure sonst weiterfressen, so würde sie auch die dicken Striche untergraben. Hierauf komme die Platte in eine etwas stärkere Säuremischung und so fort, bis die größten Partien tief genug geätzt sind. Dann findet eine Nach- oder Reinätzung statt, bei der die durch das Ätzen entstandenen scharfen Kanten abgefressen werden. Dann ist die Platte druckreif.
Die Galvanoplastik wird zu zwei verschiedenen Zwecken verwendet: Erstens soll sie weiche (Kupfer-)Druckplatten widerstandsfähiger machen, indem sie zum Überzuge verwendet wird, und zweitens soll sie von einem Druckstocke mehrere herstellen, indem man den Überzug vom Stocke loslöst und aufklotzt. Die Herstellung des Überzuges erfolgt indem allgemein bekannten galvanischen Bade. Leider kann ich bei dem knappen Raume nicht näher auf das weitverzweigte Gebiet der Galvanostegie eingehen und verweise Interessenten auf das leichte Büchlein „Galvanostegie“, das in der Miniatur-Bibliothek als Nr. 178/74 erschienen und durch jede größere Buchhandlung oder vom Verlage Albert Otto Paul in Leipzig für 1,50 Mark zu beziehen ist.

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