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Gallery » Arge Danzig Rundschreiben Nr. 263 » RS 263: Eine Postkarte aus Sansibar nach Danzig

Eine Postkarte aus Sansibar nach Danzig
Dr. Bernd Marczinke, Tel. 06232-26204, bernd.marczinke@t-online.de

 

Diese schöne Ganzsache zu 1/4 Anna mit Zusatzfrankatur 1 Anna wurde am 10. Dezember 1894 aus Sansibar nach Danzig gesendet. Die Karte lief über Aden mit französischer Schiffspost (Stempel LIGNE N PAQ. FR. N°1, zwischen 1887 und 1901 belegt) und erreichte Danzig nach 35 Tagen am 13. Januar 1895. Die französische Ligne N°1 befuhr die Strecke Yokohama-Kobe-Nagasaki-Takou-Shanghai-Honkong-Saigon-Singapur-Galle-Colombo-Djibouti-Aden-Suez-Neapel.
Der Absender schreibt: „Leider hier vergeblich auf Zeitung gewartet, gehen heute mit Sondor zusammen nach Delagua, hoffe dort bestimmt Zeitungen vorzufinden. Sind seit dem 5ten hier. Brief mit Marken für Dich und Harald mit Hofpost unterwegs.“

 

 

 

 

 

Der Helgoland-Sansibar Vertrag von 1890
Vielen ist die Geschichte des unvorteilhaften Tauschs von Sansibar gegen Helgoland bekannt. Diese Geschichte ist jedoch eine verkürzte Mär, die vom Reichskanzler Bismarck in die Welt gesetzt wurde, um seinen Nachfolger Leo von Caprivi zu diskreditieren. In wirklichkeit gehörte Sansibar nie zum deutschen Kolonialbesitz, der Vertrag über die kolonien und Helgoland regelte vielmehr einen größeren Tausch von Gebieten und Interessensgebieten in Afrika und der Nordsee. Das deutsche Interesse an Helgoland beruhte vor allem auf den damaligen Plänen zum Ausbau der deutschen Seemacht. Helgoland galt als strategisch bedeutsam für eine mögliche Kontrolle der Mündungen von Weser und Elbe sowie des 1887 begonnenen Kaiser-Wilhelm-Kanals. Wilhelm II. äußerte Interesse an einem Erwerb Helgolands, um den Flottenbau strategisch zu sichern.

In Großbritannien hingegen sah man den militärischen Wert Helgolands als gering an, da die Deutschen die Insel in viel kürzerer Zeit hätten besetzen können, als es möglich gewesen wäre, eine Hilfsflotte vor Ort zu bringen. Eine Sicherung wäre nur durch äußerst aufwendige Befesti- gungen möglich gewesen. Im Abkommen vom 1. Juli 1890 wurde festgelegt, dass Deutschland neben Helgoland Gebiete in Namibia und die Rechte auf den Erwerb von Gebieten an der Küste von Ostafrika erhielt, die später die Kolonie Deutsch-Ostafrika bildeten. Im Gegenzug erhielten die Briten das kleine Sultanat Wituland an der kenianischen Küste sowie Gebiete in Ostafrika, die wichtig für den Bau der Eisenbahnlinie an den Victoriasee waren. Darüber hinaus wurden die Interessensgebiete zwischen Deutsch-Südwestafrika und der Britischen Goldküste sowie zwischen Deutsch-Kamerun und Britisch Nigeria abgesteckt. Der Vertrag beinhaltete weiterhin, dass die Deutschen britische Gebietsansprüche in Sansibar akzeptieren würden. Daraufhin erklärten die Briten Sansibar als ihr Protektorat und erhielten schließlich nach dem Krieg von 1896 volle Kontrolle über das Sultanat. Heute ist Sansibar ein halbautonomer Teilstaat des Unionsstaates Tansania in Ostafrika.

Literatur:
Die Mär vom deppenhaften Helgoland-Sansibar-Tausch. Die Welt, 30.06.2015


 

 

 

 

 

Arge Danzig, Rundschreiben 263, 2. Quartal 2019, Seite 3340.


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Added: 02/04/2019
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