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Karl Kniep:

Mai 1993: Mein zweiter Danzig-Besuch

Hilde und ich brachen Samstag, den 15. Mai, zu unserem zweiten Danzig-Trip auf: Per Bahn nach Hamburg, vom dortigen Hauptbahnhof zum dortigen Flughafen  -  kurz nach dem Einchecken kam das Ehepaar Apitz auf uns zu: Durch ein Gespräch mit Edward Hadas hatte man unseren Abflugtermin erfahren.

Der Flug verlief ruhig, es gab ein sehr gutes Menu, sehenswert die Sicht von oben auf die Seenplatte in der Kassubischen Schweiz. Mit etwas Verspätung landeten wir in Danzig (besser: Bei Danzig) nach einer Gesamtreisezeit von noch nicht einmal 10 Stunden. Zwei unabhängige Begrüßungskommitees hatten sich vereinigt - der herzliche Empfang unter Anleitung unserer lieben "Schwarzen Barbara" konnte nicht besser ausfallen!

Nach der Einquartierung ahnten Hilde und ich, wo wir Ronny van Waardhuizen würden finden können: Natürlich im "Lachs" mit Betty und John Bloecher - lebhafte Begrüßung, und wir bekamen einen fantastischen Eisbecher spendiert.

Über den Vormittag des Sonntags hat Harald bereits berichtet. Als wir in Langfuhr im Bärenweg der Straßenbahn entstiegen, gingen wir die Osterzeile entlang zu Familie Guczalski„ und die freundliche Elisabeth begleitete Hilde und mich zu unserer früheren Wohnung Heeresanger 6. Wir machten einen Umweg über die Magdeburger Straße und den Brösener Weg. Vor dem Haus Nr. 56 mußte ich daran denken, wie meinem Onkel wohl zumute gewesen sein muß, als er, der ein steifes Bein hatte, an einem Morgen im März 1945 in Eisenbahneruniform vor die Haustür trat, um zum Dienst nach Neufahrwasser zu gelangen: Die ersten einmarschierenden Sowjets nahmen ihn als Uniformträger gleich mit. Dank seiner polnischen Sprachkenntnisse konnte er wenigstens begreiflich machen, daß er kein Soldat war, er kam nach drei oder vier Tagen frei, inzwischen hatte man seine Frau verschleppt, die erst nach vier oder fünf Wochen zurückkam. Gleich daneben steht auch noch das Haus, in dem mein Freund Günther K. gewohnt hatte  -  wir beide haben uns erst vor drei Jahren wiedergefunden.

In der Wohnung Heeresanger 6, in der ich bei meiner Tante und ihrem Mann von 1933 ab gewohnt hatte, wurden wir von der jetzigen Wohnungsinhaberin herzlich begrüßt, und mit Elisabeth als Dolmetscherin haben wir so manches Erlebnis berichtet und auch erfahren. Hilde und ich gingen nach dem Besuch, als Elisabeth sich von uns getrennt hatte, den Labesweg entlang. Im früheren Wohnhaus von Günter Grass soll nun eine Trinkhalle sein, aber ich meine, es müßte nach dem Einwohnerbuch von 1942 die andere Straßenecke an der Hertastraße gewesen sein. Der Neue Markt, früher ein öder Platz, ist jetzt eine Parklandschaft mit Kinderspielplatz, und ich mußte daran denken: Dies war früher der Antreteplatz für die Pimpfe - und diese Erinnerung bewog mich, eine vorIängerer Zeit verbrochene Wiedergabe meiner "Ersten Begegnung mit der Bewegung" für Sie hervorzukramen. - Glücklicherweise stand ja, da ich bei Tante und Onkel wohnte, mein Name an keiner Klingel oder Wohnungstür, sodaß ich nicht so leicht zu finden war.

Vom Neuen Markt gingen wir ein Stückchen zurück und dann durch die obere Hertastraße (die im Gegensatz zur Umgebung einen sehr traurigen und unsauberen Eindruck machte) am Strießbach vorbei zur Marienstraße, unter der Bahnhofsunterführung hindurch, durch den Kastanienweg (dort fiel mir ein: Nr. 15 wohnte unser Volksschulklassenlehrer Erdmanski, der sich später Erdmann nannte) zur Hauptstraße. Diese kann man nur an wenigen Stellen überqueren, sie ist verbreitert worden und zum Überqueren für Fußgänger nicht mehr eingerichtet.

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Rundschreiben 160, Mein zweiter Danzig-Besuch, Seite 4.


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Added: 01/10/2015
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