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Ich nannte Kreuz und Krone die höchsten Symbole unseres Kulturkreises — sie bezeichnen Anfang und Ende eines Weges, sie geben Form und Inhalt indogermanischer Entwicklung, Schein und Wirklichkeit, Idealität und Realität des gesamten gewesenen und des kommenden Schicksals jener hellhäutigen Völkerfamilie, deren Herz im Zentrum Europas schlägt.

Krone und Kreuz: Stolz das eine, schimmernd als Kostbarkeit, das Menschen erdenken und formen konnten, um es dem „Grössten" aufs Haupt zu setzen, dunkel und schwer, unscheinbar das Zweite, erdacht, um es dem Edelsten als Marter auf die Schultern zu bürden.

Würde und Bürde beides! Heute noch durch nichts anderes zu ersetzen, wenn wir — trotz aller modernen Sachlichkeit — sprechen wollen in Zeichen und Symbolen, 'bestrebt sind, sichtbar zu machen Geistiges, als Wegweiser für Wanderer, Ziel für alle, die zu uns gehören.

Und so können sie auch in diesem Geleitwort sein, nicht nur Titel —sondern alles: Anfang und Ende und Inhalt. Ein Gruss dieser schönen Stadt an alle, die gekommen sind, die Ausstellung zu sehen und Feste zu feiern.

Mir ist nicht bekannt, wann Danzig in sein Wappen Krone und Kreuz gezeichnet hat. Eine Krone und zwei Kreuze! Aber das ist hübsch und lehrreich so! Und auch ein philatelistisches Geleitwort darf es aussprechen, dass der Stationen auf dem Wege eines Sammlers immer mehr gibt, als der Kronen, die erst am Ziel winken als Medaillen und Preise! Aber sie kommen! Sie kommen unweigerlich, wenn wir recht wollen, wenn wir nicht vergessen, dass alles — lebendiges Leben bleiben muss, auch unsere Liebhaberei, die Philatelie, die sich auch wandelt, gehorchend dem Gesetze alles Lebendigen, das nie und nimmer stille steht, das Bewegung — Entwicklung bedeutet, und nur Entwicklung allein zur Vollendung führt, zum Ziele jedes menschlichen — und göttlichen — Tuns.

Also Philatelisten! Trag auch die Botschaft 'dieser Ausstellung hinaus:

Nicht stille stehn, nicht rückwärts sehn,
Nach Kreuz die Kron', wird Jedes' Lohn!

Und wer am Ende finden sollte, dass dieses ein seltsames philatelistisches Geleitwort sei, dann kann ich ja noch hinzufügen, dass die Welt, die Menschen und ihr Tun sich in jedem Hirn anders spiegeln, und dass ich vom Herzen wünsche, es möge endlich in allen Philatelistenkreisen die ungeheure Vielseitigkeit unserer Liebhaberei dämmern, damit die vielberufene Zukunft, über die'schon soviel skeptische Tinte geschüttet wurde, endlich im schönen Lichte eines neuen Aufstieges leuchten möge.

Dazu helfe ihr Teil die Internationale Briefmarken-Ausstellung in der schönen Stadt Danzig.

Hesshaimer
Präsident des Verbandes österreichischer
Philatelistenvereine

Briefmarken Ausstellung, Danzig 1929, Seite 18.


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Added: 17/02/2016
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