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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 205 - 4. Quartal 2004 » Danzig - Plattenfehler oder nicht ?

Sachbeiträge, Berichte

"DÄNZIG" -Plattenfehler oder nicht?
[Dr. lost Küpper]

Im letzten Rundschreiben Nr. 204 wurde auf den Seiten 1378 und 1386 zweimal eine Michel-Nr. 15 mit mehreren Farbabbildungen vorgestellt. Sie hat über dem „a" von Danzig zwei Punkte, man kann also „Danzig" lesen. Der Text weist auf das Schüler-Handbuch hin (Seite 11), wo das Phänomen unter der Stichmarke „Plattenfehler" läuft und entsprechende Fundorte auf den Druckbögen vermerkt werden. Der Redakteur der Rundschreiben, Anton Auffenberg, ist in Sachen Plattenfehler aber skeptisch. Er spricht lediglich von „Feldmerkmalen". Ein paar Anmerkungen in Sachen „Danzig":

Auffenberg notiert, dass es sich bei dem Doppelpunkt entweder um leicht herausstehende Eckkanten der Druckletter oder um ein leicht herausstehendes Füllteilchen handeln könne. Ich halte die zweite Version für wahrscheinlich.

Sie wird detailliert in der philatelistischen Literatur über die ersten Aufdruckmarken von Altsaar, die praktisch zeitgleich zum hier interessierenden Berliner Aufdruck von Danzig erschienen, beschrieben (Quelle: Handbuch der Postwertzeichen des Saargebietes und das Saarlandes, Loseblatt-sammlung, Bereich 201, Seite 119 ff.). Danach sind diese Doppelpunkte Spezialformen der so genann-ten Spieße.

Spieße, zumeist mit einem schmalen, länglichen Druckbild, kamen zustande, indem Füllmaterial, das den eigentlichen Aufdruck in der Druckform fest verankerte, im Laufe der Zeit durch mechanische Erschütterungen nach oben wanderte und mitdruckte. Das Füllmaterial war aber offensichtlich teilweise unten nicht eben. Wurde dergleichen verkehrt herum eingesetzt und wanderte dann nach oben, entstanden die Doppelpunkte.

Diese Erscheinung kommt in zahlreichen deutschen Gebieten mit Aufdruckmarken vor.

Als Beispiel für unterschiedliche Ausprägungen hier die Abbildungen einer Saar Michel-Nr. 3 (Doppelpunkt rechts von „Same"), einer Deutsche Post in der Türkei Michel-Nr. 8 (Doppelpunkt links neben der linken „1") und einer Memel 131 (Doppelpunkt links neben dem Doppelstrich) in zweifacher Größe. Der Unterschied zu Danzig: Die Danzig-Punkte sind waagerecht, die anderen, hier präsentierten, senkrecht.

Ob das Ganze ein Plattenfehler oder eine Druckzufälligkeit darstellt, ist Geschmackssache. Schüler sortiert das Ganze bei Plattenfehlern ein, das „Lexikon der Philatelie" von Wolfram Grallert deklariert im gleichen Sinn (Seite 30) Spieße als Aufdruckabarten, „die in Teilauflagen oder großen Teil der Auflage auf bestimmten Bogenfeldern vorkommen".

Das Saar-Handbuch tendiert ganz anders (S. 119) in Richtung Druckzufälligkeit. Spieße sind demnach „von wenigen Ausnahmen abgesehen, in der Regel keinen Feldern zuzuordnen. So, wie sie an einer Stelle auftreten, beseitigt werden, tauchen sie an einer anderen Stelle wieder auf und der Vorgang wiederholt sich abermals an anderer Stelle."

Wer die Passagen zu Spießen im Saar-Handbuch liest, kommt um eine politische Spekulation zu „Danzig" nicht herum. Das gehäufte Auftreten der Spieße bei Germania Überdruck - Marken für das Saargebiet wird dort so erklärt, dass man es in der Druckerei nicht so ganz genau nahm. Schließlich war die Besatzungsmacht der Auftraggeber und das Wort „Same" alles andere als beliebt.

Dass mehrfach genau über dem „a" von Danzig zwei Punkte stehen, kann Zufall sein. Es kann aber auch sein, dass dem Zufall in der Reichsdruckerei in Berlin ein wenig nachgeholfen wurde und man die neue Landesbezeichnung verballhornte. Denn die politische Konstruktion der Freien Stadt Danzig durch den Versailler Vertrag galt in Deutschland weithin als Affront.

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Arge Danzig, Rundschreiben 205, Seite 1396.
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Mitglied im VPhA des BDPh.


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Added: 13/07/2007
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