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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 100 - Februar, 1979 » Der Danziger Artushof und seine Banken

Beitrag zum Rundschreiben Nr. 100
der Arge Danzig - Nr. 7/Januar 1979

Dipl.-Volkswirt
Günter Dowig
Königsberger Str. 29  -  -  D 2300 Altenholz 1

Der Danziger Artushof und seine Banken

Am 28. Dezember 1476 brannte der Große Hof des ersten Artushofes ab. Ihm folgte am 2. April des nächsten Jahres der zunächst erhalten gebliebene Kleine Hof, der dann den Flammen zum Opfer fiel.

über die Fertigstellung des Wiederaufbaus gibt es viele Darstellungen. Fest steht, daß am 2. Dezember 1481 in der Halle des neuen Artushofes zum ersten Male wieder Bier geschenkt würde, fest steht aber auch, daß es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, gedauert hat, bis der Artushof die Gestalt erhielt, in der sehr viele unserer Mitglieder ihn in Erinnerung behalten haben und wie ihn die Winterhilfsmarke des Deutschen Reiches (Michel-Nr. 751) zeigt.

Der Artushof war lange lange Jahre Treffpunkt der Kaufmannschaft, er diente als Börsenlokal, als Handelsort, aber auch als Treffpunkt fröhlicher Runden, die sich dann kräftig zuprosteten. Aus dem 17. Jahrhundert sind noch Vorschriften bekannt, die den Ausschank von Bier auf bestimmte Stunden des Tages beschränkten und zudem reglementierten, wieviel jeder bekommen durfte.

Im Laufe der Zeiten bildeten sich für bestimmte Gruppen, die im Artushof zusammenkamen, bestimmte Brauchtümer heraus. Dazu gehörten die Regeln, nach denen jemand in den Kreis aufgenommen werden durfte, gehörte aber auch der Brauch, bestimmte Bänken. Banken als feste Treffpunkte - man könnte in sehr weiter Auslegung auch Stammtisch sagen, obwohl das hier. nur ganz bedingt zutreffen würde - zu bestimmen. Von hierher stammt die Bezeichnung "Banken". Es hat also nichts mit Geldinstituten zu tun, obwohl sicherlich auch Geldleute zum Kreis der Bankenbrüder gehörten.

In der neueren Zeit gestalteten sich die Banken zu Institutionen ideellen Charakters; denen die Armenpflege, aber auch die Wahrung von Tradition und überkommenem Brauchtum am Herzen lag.

Die Rede Adolf Hitlers am 19. September 1939 im Artushof anläßlich der Beendigung des Krieges in Polen brachte den Danziger Artushof zum letzten Male in die Spalten der Weltpresse. Diese Rede war aber auch ein Anfang vom Ende unserer Heimatstadt Danzig, mit deren Verlust auch die Banken des Artushofes ihre jahrhundertealte Heimstatt verloren.

Die Mitglieder von vier Banken des Danziger Artushofes fanden sich. im Jahre 1956 wieder zusammen und belebten die Vergangenheit mit neuem, in die Zukunft weisendem Leben. Waren es anfangs erst ge wenige Brüder, die sich wiedertrafen - zuerstin Hamburg, nach einigen Jahren in Lübeck -, so entwicelte sich recht bald ein reges Leben um und für diese Institutionen, so daß gegenwärtig etwa 100 Herren den vier Danziger Banken angehören, einige sogar mehreren.

Ich selbst gehöre seit 1970 der St. Christophorus-Bank, ehemals Lübische Bank, an. Der Name besagt- schon, daß der Ursprung dieser Bank in Lübeck zu suchen ist, und der Kreis sich mit der Rückkehr an den Ort des Entstehens wieder geschlossen hat. Unser Mitglied Hinrich Bosselmann ist auch mein Bankenbruder.

Die "Laufbahn" eines Bankenbruders beginnt mit seiner Aufnahme als Schreiber. Das waren früher die Leute, diearbeiten mussten, die zu notieren und festzuhalten batten, die sich auf diese Weise vorzubereiten hatten auf das Ehrenamt des Vogtes.

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Arge Danzig, Rundschreiben 100, Sonderbeitrag Nr. 7, Januar 1979, Seite 1.


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Added: 16/12/2015
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