Eine treffende Abfuhr

Die Oberste Postbehörde in Danzig sendet den Leipziger „Germania-Berichten“ folgende Erklärung, die wir im Interesse der Sache und Danzigs auch an dieser Stelle zwecks weiterer Verbreitung veröffentlichen möchten:
In Nr. 11/12 1920 der Germania-Berichte bringen Sie unter „Vermischtes“ Ausführungen übe die Danziger Postverwaltung und ihre Beamten, die weit über das Maß einer zuverlässigen Kritik hinaus gehen. Sachlich erwidert wir folgendes: Die Danziger Postverwaltung ist Anfang Juni 1920 als selbständiges Danziger Staatsinstitut eingerichtet worden. Vor diesem Zeitpunkt hatte die deutsche Postverwaltung des abgetretenen Freistaatsgebietes auf Wunsch maßgebender Danziger Kreise die im Frühjahr 1920 bei der Reichsdruckerei bestellten Postwertzeichen durch die Druckerei mit einem geraden Aufdruck „Danzig“ versehen lassen.
Mit dem Übergange der Postverwaltung auf den Danziger Staat ergab sich, um die Portoeinnahmen für diesen sicherzustellen, die Notwendigkeit sämtliche noch im Freistaat vorhandenen Postwert-zeichen ohne Aufdruck mit dem Überdruck „Danzig“ zu versehen, und zwar sämtliche Sorten von kursfähigen Marken, um diese zu verwerten. Zu dem Zwecke wurden auch die noch in den Händen des Publikums befindlichen Postwertzeichen eingezogen. Die Auflagehöhe der einzelnen Marken-sorten war selbstverständlich eine verschiedene. Da es sich herausstellte, dass einzelne Marken-sorten nur in geringer Zahl vorhanden waren, wie die Marken zu 60 Pfennig, 1 und 2 Mark wurde angeordnet, dass diese nicht an das Publikum verkauft, sondern zum Frankieren unfrankiert eingelieferter Sendungen von den Beamten verwendet werden sollten. Wenn sie gleichfalls unge-stempelt in die Hände des Publikums gelangt sind, so geschah das gegen die Absicht der Postver-waltung.
Die Notwendigkeit, statt des graugrünen einen violetten Unterdruck bei den Marken mit höheren Werten anzuwenden, ergab sich aus technischen Gründen, weil der graugrüne Unterdruck u.a. bei den in 1 Mark-Marken umgewerteten 30-Pfennig-Marken nicht genügend zur Geltung kam.
Für das Überdrucken der Marken waren somit dienstliche Interessen maßgebend. Von den Druck-zufälligkeiten, die erfahrungsgemäß bei der Massenherstellung von Drucksachen leicht auftreten (z.B. fehlender Unterdruck, Wellenbogen nach oben statt nach unten usw.) hat die Postverwaltung erst durch Mitteilungen aus Sammlerkreisen Kenntnis erhalten. Der Vorwurf der Ausbeutelei des Publikums durch die Postverwaltung ist hiernach durchaus ungerechtfertigt. Hierzu hätten der Verwaltung ganz andere Mittel und Wege zur Verfügung gestanden.
Wir würden trotz der ungerechtfertigten Angriffe zu dem Artikel keine Stellung genommen haben, wenn die Schlussausführungen nicht die Danziger Beamtenschaft geradezu des Markendiebstahls bezichtigen. Diese Beschuldigungen entbehren jeder Begründung. Wer nur einigermaßen mit postalischen Betriebsverhältnisse vertraut ist, weiß, dass die vorgeschriebene Bescheinigung des Fehlens einer Marke auf einem Brief keinen Schluss auf den Täter und den Ort der Entwertung zulässt. Auch lässt das Fehlen einer Marke nicht immer auf deren Entwendung schließen. Wie die amtliche Verfolgung zahlreicher Einzelfälle ergeben hat, sprechen alle Umstände dafür, dass Markenverluste im Bereich der Danziger Postverwaltung kaum vorgekommen sind. Die Danziger Postbeamten haben jederzeit Gelegenheit, auf ordnungsmäßiger Weise sich die Marken zu kaufen. Die Tatsache, dass Marken entwendet werden, soll weder beschönigt, noch bestritten werden. Es verrät aber einen großen Mangel an Sachlichkeit, Einzelfälle zu verallgemeinern und in Zusammen-hang damit leichtfertige Beschuldigungen gegen einen ganzen Stand ehrenhafter Beamte zu richten.
gez. Zander

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