Danziger Marken mit Raster-Unterdruck

II. Lila Unterdruck

Am 1. November erschien die lila-Raster. Vorhanden ist dieser auf allen Werten mit der Spitze nach unten, ebenso mit der Spitze nach oben, sehr selten ist aber 1-Mark-Wert letzterer Type. Die Verteilung ziemlich gleichmäßig zu sein, denn bei den Werten 1 ¼, 2, 3, 10 Mark fanden sich bei einem Händler z.B. je 10 Bogen von denen je 5 mit der Spitze nach unten, je 5 Bogen mit der Spitze nach oben zeigten. Anders ist es bei 5 Mark. Davon sah man anfangs nur Spitzen nach oben, und erwähnter Händler besaß auch nur 10 Bogen davon.
Wenn die O.P.D. (siehe „B.R.“ vom 10. März sagt, dass die Post erst durch die „Briefmarken-Rundschau“ von den verschiedenen Stellungen des Rasters erfahren habe, und dass die Postverwal-tung daran unschuldig ist, so ist das sicherlich richtig; es ist damit aber auch nicht bewiesen, dass die Verschiedenheiten nicht absichtlich Mache sind. Wenn kann mit Sicherheit sagen, so nicht bei der Firm Sauer philatelistische „begabte“ leite waren, die so etwas aus eigener Machtvollkommen-heit geschaffen haben. Jedenfalls scheint bei dem letzten Drucken, nachdem die Postverwaltung einmal darauf aufmerksam geworden war, in den Druck des Rasters ein Schema gekommen zu sein und ab 1. November herrschte nicht mehr vollständige Anarchie, sondern es erscheinen z.B. 1. Mark auf 30 Pfennig und 1 ¼ Mark, Unterdruck lila, Spitzen nach links unten. Dann folgten aber die 2-, 3- und 5 Mark-Werte, Unterdruck lila mit den Spitzen nach rechts oben, und schließlich die 10 Mark, lila Unterdruck mit den spitzen wieder nach links unten.
Was übrigens den lila Rasterunterdruck betrifft, so konnte man bei den Marken des Einmarkwertes Stücke mit Unterdruckspitzen nach rechts oben erst in der ersten Hälfte des März dieses Jahres trotz vorherigen eifrigen Suchens feststellen. Es tauchten nämlich zu dieser einige Zwanzigerstreifen bestehend aus den beiden untersten Bogenecken von Einmark-Markenbogen auf, bei denen durch Bruch der untersten Klischeereihe des Umwertungsüberdruckes bisher nicht mehr auf dieser Reihe eine gerade waagerechte, sondern eine gebrochene, dachförmige Linie zeigte. Bei Betrachtung eines solchen Zwanzigerstreifens wurde auch entdeckt, das bis dahin angezweifelte Vorkommen von Marken des Einmarkwertes mit lila Unterdruck mit nach rechts oben gerichteten Unterdruckspitzen. Eine Nachfrage bei dem Verkäufer dieser Streifen brachte dann auch die durch bereits erfolgten Abreißen der Zwanzigerstreifen verkleinerten Bogen in den Verkehr. Einmarkmarken mit dieser Unterdruckspitzeneinrichtung mit lila Unterdruck sind recht selten; es dürften etwa 20 Bogen in den Verkehr gelangt sein.
Bei den übrigen Werten der Marken mit lila Rasterunterdruck verteilen sich beide Spitzenrichtungen gleichmäßiger so dass man hier einen Unterschied in der Bewertung beider Richtungen schwierig machen kann. Wir möchten aber mit ziemlicher Gewissheit annehmen, dass bei dieser zweiten Auflage mit lila Raster der 2-Mark-Wert (Spitzen nach rechts oben) sowie der 5-Mark-Wert (Spitzen nach links unten) die „selteneren“ sind.
Im Oktober 1920 gelangen an den Postschaltern auch etwa 200 Bogen des Einmarkwertes zum Verkauf, bei denen der Rasterunterdruck ganz fehlt. Diese Marken verdanken ihr Dasein einem Versehen in der Druckerei. Sie sind amtlich in der Druckerei nicht bestellt, haben aber ihres selteneren Vorkommens wegen einen höheren Handels- und Sammlerwert, der auf das Fünffache der Einmarkmarken mit grauem Unterdrucke zu bemessen sein dürfte. Sie sind als ausgesprochene Fehldrucke zu betrachten.
Entstanden durch drucktechnische Unaufmerksamkeit, kommt das gänzliche, aber teilweise Fehlen des Rasterunterdrucks auch bei einzelnen Marken bzw. Blockstücken der übrigen Markenwerte vor. Es sind bloße Zufälligkeiten. Während aber einzelne Bogen des Einmarkwertes die Rasterdruck-maschine überhaupt nicht durchlaufen haben oder auch zwei Bogen versehentlich übereinander liegend, zugleich durchgelaufen sind (daher dann der obere Bogen ohne Unterdruck blieb), scheinen einige andere Bogen sämtlicher Werte diese Maschine wohl passiert zu haben. Jedoch dürfte die Farbe auf der Farbewalze zu hart und trocken gewesen sein; aber es sind andere Druckzufälligkeiten eingetreten, denn man trifft größere Blockstücke sämtlicher umgewerteten Marken an, bei denen die Sichtbarkeit des Rasterunterdruckes verschieden ist, deren Aufzählung jedoch zu weit führen würde.
Sind keine Spuren des Rasterunterdruckes zu bemerken, so haben solche Stücke immerhin einen Kuriositätswert, doch kann selbst der Spezialsammlung in seiner Kollektion ruhig entbehren. Ihr Entstehen kann folgenden Grund haben: Ein Papier kann sich zufällig teilweise auf die Farbewalze aufgewickelt haben, diese zum Teil bedeckend. Wird nun aus Unachtsamkeit der folgende Bogen in die Maschine eingelegt bevor die Farbewalze gereinigt und neu mit Farbe versehen wurde, so konnte naturgemäß der Drucksatz von der mit Papier bedeckten Stelle der Farbenwalze keine Farbe erhalten, daher auch keine Farbe auf die entsprechenden Stellen des eingelegten Bogens übertragen werden und der Unterdruck dort fehlt.
Es kommen auch, jedoch äußerst selten, Stücke mit doppelten Rasterunterdruck vor. So meldete z.B. die Firma Borek in Braunschweig den Besitz eines ganzen Bogens des Fünfmarkwertes mit doppelten lila Rasterunterdruck. (Siehe Danziger Briefmarken-Rundschau Nr. 28/1920).
Nach der obigen Feststellungen scheint nur der 1-Mark-Wert beider Ausgaben einheitlich durchge-druckt zu sein, und zwar die erste Ausgabe, grauer Unterdruck Bogenspitzen nach oben links, und die zweite Ausgabe, lila Unterdruck, Spitzen nach unten recht gerichtet. Dies dürfte wohl, wie uns Herr O.St. Danzig schreibt, darauf zurückzuführen sein, dass man hier die von Berlin mit Überdruck gelieferten Marken genommen hat (30 Pfennig-Wert), dies jedenfalls von Berlin aus in guter, gleichmäßiger Verpackung geliefert wurden. Bei all den anderen Werten handelt es sich vermutlich um Restbestände, die in Danzig lagerten oder bei den Postämtern des Freistaates zur Einziehung kamen und daher anscheinend kreuz und quer gelegen haben, als sie zum Überdruck gelangten. Den Hauptteil der Marken werden wohl die auf der Oberpostdirektion noch lagernden Bestände abgegeben haben, und diese dürften dann das Gros der in einer Richtung bedruckten Bogen gebildet haben. In weniger eingezogene Bogen, desto weniger Abweichungen!
Es ist übrigens interessant festzustellen, dass die 1-Mark-Werte nicht weniger als fünf Druckvor-gängen unterworfen wurden: 1. und 2. der zweifarbige Druck der deutschen 30-Pfennig-Marke, 3. der in Berlin hergestellte Aufdruck „Danzig“, 4. der Rasterunterdruck und 5. der Stern-Aufdruck „Mark 1 Mark“.
Der größeren Übersichtlichkeit halber bringen wir zum Schluss eine von Herrn P.R. Danzig, entworfene und von der Redaktion ergänzte Aufstellung in Tabellenform in der die Kreuze die bisher festgestellten Abarten bezeichnen.
Rasterverschiedenheiten                                              I                      II
bei Danzig III                                                               Rasterspitzen nach
.                                                                                               oben               unten
1,- Mark      a) blassgrau                                                 X
.                      b) grünlichgrau
                     c) lila                                                                  X                        X
1 ¼ Mark   a) blassgrau                                                  X                        X
.                      b) grünlichgrau                                           X                        X
.                      c) lila                                                                  X
2,- Mark     a) blassgrau                                                   X
.                     b) grünlichgrau                                                                       X
.                      c) lila                                                                  X
3,- Mark     a) blassgrau                                                   X                        X
.                     b) grünlichgrau                                             X                        X
.                      c) lila                                                                   X
5,- Mark     a) blassgrau                                                    X                        X
.                     b) grünlichgrau                                             X                        X
                     c) lila                                                                   X
10,-Mark   a) blassgrau                                                     X                        X
.                     b) grünlichgrau                                              X                        X
.                     c) lila                                                                     X

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