Wie die erste Freistaatmarke entstand

Die neuen Danziger Überdruckmarken, die bis zum Erscheinen einer endgültigen Freistaats-Postwertzeichenreihe nun aushilfsweise – hoffentlich nicht allzu lange – Dienst tun müssen, sind bekanntlich in der Berliner Reichsdruckerei hergestellt worden. Man hatte anfänglich die Absicht, das Überdrucken von Germaniamarken mit dem Worte „Danzig“ einer hiesigen Firma zu übergeben, ist dann aber nach näheren Erwägungen davon abgekommen, da in einer Privatdruckerei (wie es das Beispiel der  nachgedruckten Saare-Marken beweist) die notwendige scharfe Kontrolle der Höhe  der  bestellten  Auflage  doch mit großen Schwierigkeiten verbunden  gewesen wäre. Die Reichsdruckerei hat andererseits die Garantie, dass sie bei den belgischen, rumänischen usw. „Kriegsprovisorien“ für den Aufdrucksatz eigenege fertigte Druck-typenverwendete, deren genaue Nachahmung etwaigen Fälschern doch schwieriger fallen dürfte, als es bei oberflächlicher Betrachtung des Wortes „Danzig“ den Anschein hat.

Fälschungen werden leider, wie in der Saargegend und im Westpreußischen Abstimmungsgebiet, auch bei dem Danziger Provisorium leider kaum ausbleiben, so bald der Sammlermarktpreis der einzelnen Werte erst feststeht und sich der Vertrieb der Fälschungen als lohnend für die Verfertiger erweist. Einen großen Reinfall hat allerdings eine Fälscherbande erlitten, die günstige Konjunktur witterte, und schon vor Wochen vor der amtlich erfolgte Danziger Marken durch Überdrucken deutscher Postwertzeichen fabrizierte und, wie verlautet, über Stettin in Berlin und anderswo als Original zu vertreiben versuchte. Nur passierte ihr dabei das kleine Missgeschick, dass sie als Aufdruck „Freistaat Danzig“ (statt nur Danzig) setzen ließ, so dass der plumpe Betrug nun leicht dem leichtgläubigen deutschen Sammler offenbar wird.

Die Reichsdruckerei, gegenwärtig mit dem Druck der neuen deutschen Reichsmarken die im Juli erscheinen sollen, ungemein in Anspruch genommen, hat  noch nicht alle bestellten Marken nach Danzig liefern können, was u.a. auch darauf zurückzuführen ist, dass für dort beabsichtigten

neuen Danziger Wert zu 4 Mk., der in Deutschland bisher überhaupt nicht bestand, eine technisch abweichende Ausführung in Frage kommt. Die bisher bestellten und größtenteils (bis auf die 40 Pf.. 1,50, 3 und 4 Mk.) bereits zur Ablieferung gekommenen Werte sollen,  wie man uns mittelt, folgende Auflagenhöhe haben: 5 Pf (2 Mill.); 10 und 15 Pf. (10 Mill.); 40 Pf. (12 Mill.?); 50 Pf. (1 Mill.); 1, 1,25, 2 Mk. je 300 000 und 2,50, 3, 4 und 5 Mk je 200 000 Stück. Das schließt natürlich nachträgliche Bestellungen nicht aus, da der Bedarf allein für Sammlerwünsche ein ganz gewaltiger ist. Einzelne Werte dürften aber vielleicht bei Neulieferungen dann schon in neuen Grundtönen aus Berlin kommen, da beispielsweise die deutschen Marken zu 10, 20 und 40 Pf. den Berliner Vereinbarungen zu folge ihre Farbei in grün, rot und blau verändern müssen.

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Danzig