Die philatelistischen Uberrauschung

Aus dem Tohuwabohu der unzähligen Nachkriegsmarken klingt jetzt immer vernehmbarer an das Ohr des ersten Sammlers eine Stimme, die da ruft: „War diese Ausgabe wirklich notwendig?“

Wir werden überschwemmt mit Marken, Marken, Marken aller möglichen Gebiete, deren Grenzen zum teil staatsrechtlich nicht einmal festgelegt sind, und für deren Ausgabe im Grunde niemand so recht die Verantwortung tragen kann.

Auch in unserem Freistaat v stehen wir wieder wie die „Danziger Zeitung“ vom letzten Sonntag bereits ankündigen konnte, vor der Ausgabe neuer Briefmarken deren Notwendigkeit von den Nichteingeweihten draußen im Reich und im philatelistischen Ausland den ersten Blick kaum sofort verstanden werden wird. Dennoch war es für Danzig wie wir bereits in Nr. 6 der „B.R.“ vom 20.Juli bemerkten, durchaus erforderlich beizeiten für Ersatz der zu Ende gehenden bisherigen Briefmarkenbestände zu sorgen. Die Reichsdruckerei in Berlin, mit Arbeitern überhäuft, kann nicht mehr so viel und so rasch liefern. Wie Danzigs Oberste Postbehörde es wünschen musste und andererseits war auch die äußerste Sparsamkeit der Schaffung neuer Postwertzeichen geboten. Der oberste Leiter unseres Postwesens, Postrat Zander, der nun aber auch dem Grundsatz: „Erst wägen, dann wagen“ alle an dieser Stelle anfangs gestreiften Einwendungen wohl überlegt, ehe er einer hiesigen angesehenen Buchdruckerei den Druckauftrag erteilt.

In Danzig erzählt sich die Schuljugend, dass der britische Oberkommissar Sir Reginald Tower, in seinen wenigen Mußestunden selbst dem Briefmarkensport huldige. Wir wollen und können dieses Gerücht nicht kontrollieren, wohl aber wissen wir, das Sir Reginald sich persönlich viel mit der Ausgabe neuer Danziger Marken beschäftigt und verschiedentlich darüber mit dem Leiter unseres Postwesens verhandelt hat. Postrat Zander ist es allerdings in erster Linie, der die schwierigsten Vorarbeiten und die in jeder Weise korrekt bewirklte Ausfüh des Auftrages verantwortlich zu überwachen hatte. Ich soll an dieser Stelle auch der Bank aller Danziger Philatelisten für die nun glücklich zu Ende geführte vorzügliche Leistung ausgesprochen werden.

Bei der Betrachtung und Prüfung der ganzen Reihenfolge wird man allerdings nicht allen neu geschaffenen Marken in Bausch und Bogen vom praktischen, ästhetischen und philatelistischen Standpunkt aus das nämliche Lob zuerkennen dürfen. Schon der öliggrüne Überdruck der 25 und der Sterne auf dem Danziger 30-Pfennig-Wert dürfte, wie bereits in der erstem Besprechung hervorgehoben in täglichen Verkehr besonders bei minderwerter Beleuchtung zu Verwechselungen mit der 30-Pfennig-Marke Veranlassung geben. Das Grün verschwimmt und hebt sich schlecht von dem dunklen zweifarbigen Untergrund ab. Etwas zweckentsprechender und praktischer wirkt schon die schwarze sternförmige Ausblockierung der beiden Wertziffern und die am oberen Rande in der Mitte stehende schwarze Wertziffer 1neben dem Worte Mark. Auf der neu überdruckten 30 Pfennig, da die Hervorhebung des neuen Wertes hier deutlicher hervortritt. Doch ist der Gesamteindruck auch hier unschön. Dieser Missstand ließ sich aber beim besten Willen mit den gegebenen Mitteln nicht vermeiden

Für den neuen Wert zu 1,25 kam nur die 3 Pfennig-Marke in Betracht. Die rotbraune Farbe des Wortes Danzig in Druckschrift das die Inschrift Deutsches Reich verdeckt, wirkt hier diskret und die das M flankierenden Ziffern 1 ¼ heben sich trotz der grundfarbenähnliche Nuance genügend ab. Die durch blauen Überdruck erfolgte Umwandelung der kastanienbraunen 35 Pfennig in 2 Mark ist vornehm und zart gehalten. Einen überaus geschmackvollen und ansprechenden Eindruck macht auch der bordeauxroten Schreibschrift-Aufdruck Danzig quer über die dunkelrote 1-Mark-Kupfer-druck-Marke. Bei ihr besteht die gleichfalls bordeauxrote Kupferdruck der Marke Deutsches Reich aus einem die untere Leiste nicht ganz ausfüllenden und nicht bis zu den Rändern des Markenbildes gehenden Strich.

Der neue 3-Mar-Wert grün auf 7 ½ Pfennig orange darf als glücklose Farbenzusammenstellung bezeichnet werden; dagegen wirkt der schwarze Überdruck auf 7 ½ Pfennig, die Zahl 10, das Wort Mark und der schräge Danzig in Schreibschrift mit der durch schraffierte gekreuzte Linien aus blockierten Inschrift „Deutsches Reich“ etwas zu gehäuft und massig.

Am originellsten und für den Sammler interessanten, ist aber der neu 5-Mark-Wert, bei dessen Überdruck vielleicht eine in der „Danziger Zeitung“ schon im Februar d. J. gegebene Anregung befolgt wurde. Hier zeigt die alte eingezogene grau 2-Pfennig-Marke zum ersten Mal in der Philatelie das Danziger Banner. An einem von rechts unten nach links oben quer über das Germaniabild gestellten Flaggenstock flattert die alte rote Hanseatenflagge mit den beiden deutlich sichtbaren weißen Kreuzen: „Nec temere – nec timide!“

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Danzig