Uranfange des Danziger Postwesens

von
Cand.jur. Fritz Grube, Danzig

In der neueren Spezialliteratur der Verkehrswissenschaften finden sich nur sehr spärliche Bemerkungen über die äußerst interessante und vielseitige Geschichte der ersten Anfänge von Post-einrichtungen an der an der ehemaligen freien Hansestadt Danzig. Abgesehen von dem vortreff-lichen Werke Heinrich von Stephans, „Geschichte der preußischen Post“ betitelt das sehr wertvolle Aufschlüsse über das Danziger und polnische Postwesen enthält, gibt nur das im Anfang des vorigen Jahrhunderts erschienene Buch „Darstellung des Postwesens in den Königlich Preußischen Staaten“ des damaligen Archivars beim Generalpostamt in Berlin, Wilhelm Heinrich Matthies, eine genauere Schilderung der Entwicklung der Danziger postalischen Einrichtungen in vorpreußischer Zeit. Auf den Angaben dieses Werkes beruhen im wesentlichen die in der folgenden Ausführungen vorkommenden Namen und Daten.
In Danzig hat ein geregeltes Postwesen im heutigen Sinne früher Eingang gefunden als in den meisten übrigen Städten, besonders denen des Binnenlandes. Dies war auf verschiedenartige Ursachen zurück zuführen. Einmal hatte man ein nahe liegendes Vorbild an dem mustergültigen Botenwesen des Deutschen Ritterordens, der freilich nach dem Unglücksjahre von Tannenberg wieder vom Erdboden verschwunden war, und zweitens war es die Stellung Danzigs als Metropole des zivilisierten Ostens, die Notwendigkeit einer geregelten Verbindung mit den noch weiter östlich gelegenen Plätzen der Hanse, insbesondere Riga und Nowgorod, die den Bestrebungen nach einem zuverlässigen Postverkehr schon früh zum Siege verhalfen. Freilich musste man sich zunächst mit sehr primitiven Einrichtungen begnügen. Seit etwa der Mitte des 16.Jahrhunderts ließ die Danziger Kaufmannschaft ihren für den Westen bestimmten Schriftwechsel durch Botenwagen nach Hamburg befördern, die die Hamburger Kaufleute ihrerseits mit der östlichen Post zurücksandten. Die Kosten scheinen unter den beteiligten Kaufherren beider Städte verteilt gewesen zu sein; jedenfalls aber handelte es sich noch um eine lediglich private Einrichtung, die recht wenig leistungsfähig war, da die Fuhren für die Reise nach Hamburg durchschnittlich drei Wochen Zeit brauchten, was sich daraus erklärte, dass sie auch dringende Frachtsendungen zu befördern hatten, also wahrscheinlich sehr schwerfällig waren.
Schon wenige Jahrzehnte später genügte diese einzige Verbindung nicht mehr. Die stete Zunahme des Danziger Handels in Verbindung mit den durch die zahlreichen Entdeckungen ständig erweiterten Geschäftsbeziehungen bewirkten ein solches Anwachsen der kaufmännischen Korrespondenz, dass man sich genötigt sah, zuverlässigere und vor allem schnellere Postverbindun-gen zu schaffen. Im Jahre 1629 beschloss man daher, neben der fahrenden Hamburger Post, die von nun an in erster Linie den Frachtverkehr besorgen sollte, die Briefpost mit reitenden Boten befördern zu lassen. Hier haben wir es erstmals mit einer behördlichen Maßregel zu tun, so dass das Jahr 1629 demnach als das Geburtsjahr der amtlichen Danziger Post zu betrachten ist. Noch im gleichen Jahr ging der Rat der Stadt an die Errichtung der ersten Postanstalt, deren Leitung auf anraten der Kaufmannschaft ein Ratsherr übernahm. Ferner wurden aus den Kreisen der Kaufleute vier Postaufseher ernannt und schließlich ein Botenmeister angestellt, der für die Einsammlung und Verteilung der Briefe zu sorgen hatte. Dieses letztere Amt erfreute sich übrigens sehr bald großer Beliebtheit, da es dem Inhaber reiche Einnahmen eintrug, denn für jeden von ihm ausgetragenen Brief erhielt der Botenmeister eine nicht unbeträchtliche Gebühr, nämlich anfangs acht preußische Groschen. So berichtet Matthies in seiner Postgeschichte, dass der erste Botenmeister, der ein verarmter Bürger auf diesen Posten berufen, als er im Jahre 1640 starb, ein bares Vermögen von 90 000 Gulden hinterließ. Später wurden infolge des zunehmenden Verkehrs mehrere Botenmeister mit dem nunmehrigen Titel Stadtpostmeister angestellt, die jedoch jetzt das vielbegehrte Amt durch Zahlung einer Geldsumme erkaufen mussten. Zu den ersten dieser Postmeister gehörte ein gewisser Johann Körner während die Namen der übrigen zumeist nicht überliefert worden sind.
Entsprechend dieser Vermehrung des Personals wurden nun auch die Postkurse weiter ausgebaut. Insbesondere wurde die Verbindung mit Königsberg, die bis dahin nur durch preußische Boten, die übrigens die Reise zu Fuß zurücklegten, versehen war, durch Einrichtung einer reitenden Post wesentlich verbessert. Der Verkehr auf diesem Kurse wurde seitdem teils von preußischen, teils von Danziger Postillionen bewerkstelligt. Diese Teilung des Betriebes bewährte sich jedoch nicht, sondern rief zahlreiche Misshelligkeiten und Beschwerden hervor. Besonders glaubte die Danziger Bürgerschaft, dass es mit ihrem Ansehen nicht vereinbar wäre, dass die kurfürstliche Post sich in der Stadt einnistete und mit der Danziger Postanstalt konkurrierte. Auf das Drängen der Einwohner-schaft beschloss daher der Rat, die Verbindung mit Königsberg allein in die Hand zu nehmen, und verbot den kurfürstlichen Beamten den ferneren Eintritt in die Stadt. Um dieselbe Zeit wurde infolge des wachsenden Briefverkehrs auch eine Verbesserung des alten Hamburger Postkurses not-wendig, auf welchem vom Jahre 1649 ab wöchentlich zweimal reitende Posten verkehrten.
Inzwischen war in Brandenburg-Preußen der große Kurfürst zur Regierung gelangt, der für die Ausgestaltung des Postwesens ein ganz besonderes Interesse an den Tag legte. Er richtete in der ganzen Monarchie zahlreiche neue Posten ein und beschloss, vornehmlich im fiskalischem Interesse, auch die Verbindung mit Danzig wenigstens teilweise unter seine Herrschaft zu bringen. Er beantragte daher am 28. Mai 1649 durch seinen Gesandten v.Hoverbeck beim König Johann Casimir von Polen als dem Schutzherrn der freien Hansestadt, die Genehmigung zur Errichtung eines kurfürstlichen Posthauses in der Danziger Vorstadt Schottland. Der Polenkönig lehnte jedoch das Ersuchen ab und gestattete nur, dass den kurbrandenburgischen Postillionen wieder der Einlass in die Stadt gewährt wurde. Erst als der Kurfürst die ihm durch den Westfälischen Frieden zugesprochene Provinz Hinterpommern in Besitz genommen hatte, gelang es ihm, seine Pläne durchzusetzen. Er schnitt der Danziger Post den Durchritt nach Stettin ab und unterband auf diese Weise die einzige damals in Betracht kommende Verbindung Danzigs mit dem Westen. Infolgedessen sah sich der Rat der Stadt, freilich erst nach heftigem Widerstreben, genötigt, dem Verlangen nach Errichtung eines Kurfürstlichen Posthauses in Danzig stattzugeben, zumal König Casimir inzwischen gleichfalls seine Einwilligung erteilt hatte. Das neue Postamt wurde sogleich in Betrieb genommen, und die brandenburgischen Postmeister verstanden es bald die Haupteinnahmen der Danziger Post an sich zu ziehen. Das weitere Werden und Vergehen der kurfürstlichen Post in Danzig ist jedoch einer späteren Abhandlung vorbehalten.
Herr Ski….ski, Danzig. Die beschriebene 2 der Ziffern bei ihrer Danziger Marke zu 25 Pfennig II. Ausgabe ist durch eine „ausgesprungenes“, d.h. lädiertes Klischee entstanden. Uns lagen schon mehrere derartiger Stücke vor.

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