Die erste Danziger Briefmarken-Auktion

Das Eis der Vorurteile ist just zu einer Jahreszeit, da die Ströme sich vom Eise befreien, auch in der Danziger Philateliewert gebrochen worden, und die erste öffentliche Versteigerung von Briefmarken gehört zur Zeit, da diese Zeilen im Druck erscheinen, bereits der Vergangenheit an.
Bei der geschäftlichen Flaute, die in diesen politisch so bewegten Stunden auf allen Gebieten herrscht, war es gewiss ein Wagnis, eine derartige Auktion in einer Stadt wie Danzig zu veranstalten, in der sich zwar das philatelistische Leben in der Sammlerwelt seit einem Jahr mit mächtigen Schwingen regt, die jedoch infolge der bürokratisch gehandhabten deutschen Ein- Auf-fuhrbestimmungen bisher – hoffentlich nicht mehr lange- namentlich für unternehmende und Weiterdenkende Händlerkreise immerhin noch schwieriger Boden blieb.
Es ist auch zu verstehen, dass die Versteigerung, die von den beiden Tagen schon in den frühen Vormittagsstunden begann, nur ein Teil ernster Danziger Interessenten versammeln konnte. Für weitere Kreise, die tagsüber geschäftlich behindert sind, wären die Abendstunden zum Unterschied von einer Großstadt wie Berlin wohl weit günstiger gewesen. Schriftlich lagen nun außerhalb zwar eine größere Anzahl von Geboten vor, doch ließ der Besuch auswärtiger Interessenten in dieser stillen Zeit, wie vorauszusehen war, zu wünschen übrig. Unter den Besuchern befangen sich dagegen verschiedene größere lokal Sammler, die ohne spekulative Nebenabsichten wünschens-werte Stücke nur zur Ergänzung der eigenen Sammlung erwarben und zum Teil auch nur wenig über den Ausrufpreisen erstehen konnte. So kaufte ein Danziger Sammler, Herr B. die mit 6000 Mark angesetzte Rarität Sachsen Nr. 1 3 Pfennig rot zu dem billigen Preise von 7600 Mark. Es handelte sich dabei um ein gutes Durchschnittsexemplar mit oben am Rande (aber nicht im Bilde) allerdings leicht durchsichtige Stelle. Einen verhältnismäßig sehr hohen Preis erzielten bemerkens-werterweise verschiedene kleine und komplette Sätze der besetzten Gebiete im Westen, Eupen-.Malmedy usw. Für Bremen gab sich wenig Interesse kund, da verschiedene der angebotenen Marken kleine Fehler aufwiesen. Deutsche Kolonien wurden zum Teil nach Berlin verkauft, viele Stücke der Prachtsammlung Mexiko, ebenso Türkei Nr. 23a, 3 und 4 wurden vom Verkauf dagegen zurückgezogen, vermutlich weil bei ihrer Katalogisierung einige kleine Fehler vorgekommen waren.
Es wäre vielleicht für die veranstaltende Firma ratsamer gewesen, den Katalog der Auktion, der erst in den letzten Tagen fertig wurde, mit einem größeren Spielraum an Zeit zur Versendung zu bringen, da er unter den obwaltenden Verhältnissen sicherlich nicht alle auswärtigen Interessenten erreicht haben dürfte. Wir kommen auf die Ergebnisse der Auktion, was Preise usw. im einzelnen anbetrifft, noch zurück, da die Versteigerung erst kurz vor der Drucklegung der „Briefmarken-Rundschau“ beendet wurde.
So viel lässt sich aber bereits heute sagen, der Anfang dieses für Danzig völlig neuen Unternehmens gibt zu der Hoffnung Veranlassung, dass eine zweite Versteigerung technisch und finanziell erheblich günstiger abschneiden wird als dieser erste, in jeder sonstigen Beziehung durchaus anzu-erkennende Versuch hier in der alten Hansestadt einen eigenen, weitesten Öffentlichkeit dienenden Markt für Postwertzeichen zu schaffen.

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