Wie man Auswahlen behandelt

Ein amerikanisches Philatelistenblatt veröffentlichlicht folgende amüsante „Causerie“ über das heikle Thema der Auswahlsendungen:
Wenn du eine Auswahlsendung empfängst, sei, bitte so liebenswürdig, sie innerhalb von drei Jahren zurückzusenden. Aber wische erst etwas den Staub ab, bevor du den Umschlag auf die bringst, und da du vielleicht Marken im Werte von 50 Pfennig aus der Auswahlsendung behalten haben wirst, lege als Zahlung am besten irgendwelche von Briefen abgelöste, durch Zufall ungestempelt gebliebene Briefmarken ohne Gummi mit daran haftendem Papier bei. Sollte die Auswahl einen Wert von über 1000 Mark haben, so lasse nur ja nicht einschreiben. Eingeschriebene Briefe sind immer besonders auffallend und man darf einen ehrlichen Postbeamten nie in Versuchung bringen. Zerknittere ferner soviel als möglich die in der Auswahl enthaltenen Marken, denn damit zeigst du dem Händler, wenn du wenig gekauft hast, dass nur die schlechte Qualität der Marken die Ursache davon war. Gehe ferner auf das leere Feld ein Zeichen, am besten mit öliger Signierfarbe, die man für Postkartons gebraucht, und schreibe in das Feld: „Diese Marke habe ich genommen“; denn anderes wird beim Eigentümer der Auswahlsendung das leere Feld kaum auffallen, und er wird dir dann höchstwahrscheinlich den seiner Ansicht nach zuviel eingesandten Betrag für die nicht bemerkte entnommene Marke gutschreiben.
Bei der Rücksendung benutze nicht den beigefügten Umschlag der Auswahlsendung, sondern bemühe dich, einen Umschlag aufzutreiben, der um ein Drittel kleiner ist als das Auswahlheft, denn es macht doch bekanntlich großes Vergnügen, ein Heft etwa von der Größe 3 ½ zu 6 cm in den Umschlag von 2 zu cm hineinzuzwängen. Sobald du das Auswahlheft auf verschiedene Stellen geknickt und gefaltet hast (am besten ohne auf die eingeklebten Briefmarken zu nehmen), stecke das Heft in den Umschlag und lege letzteren unter die Matratze deines Bettes. Nachdem du drei oder vier Nächste darauf geschlafen hast, kann der Umschlag geschlossen werden und hat dann ungefähr gerade den Umfang, dass du ihn bequem in die Westentasche stecken kannst. Noch eins: schreibe vor allem deine Adresse nicht auf den Brief, denn das würde nur ein Zeichen der Eitelkeit gedeutet werden können und jeder x-beliebige Postbote braucht ja deinen Namen auch nicht zu lesen. Vor allem aber frankiere die Briefe ungenügend; das gibt mehr Gewähr dafür, dass der Besitzer auch richtig erhält.
Die Postverwaltung behandelt unzureichend frankierte Briefe mit besonderer Sorgfalt und die angewandte Methode wird dem Eigentümer der Auswahl nur umso größere Freude machen, wenn er Strafporto zahlen muss, da er sonst vielleicht später behaupten könnte, die Rücksendung überhaupt nicht empfangen zu haben.

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Danzig