Sammlerleiden – Sammlerschmerzen

Dass man heute als Sammler seine Sammlung auf dem billigsten Wege vervollständigen will, wird einem kein Händler verdenken können, dass der Händler aber andererseits heute seine Ware zu besten Preisen an den Sammler bringen möchte, ist letztem auch nicht überzunehmen. Der Händler hat Unkosten und hohe Abgaben zu entrichten, das muss wohl berücksichtigt werden, aber der Sammler ist doch immerhin derjenige, der durch seine Käufe dem Händler erst den Verdienst schafft, und da kann es kein Händler einem Sammler missdeuten, wenn man sich vor Kauf erst von den Preisen überzeugt, die verlangt werden und die man doch mehr oder weniger mit den Preisen der Konkurrenten vergleichen will.
Leider muss man hierbei oft die Erfahrung machen, dass solche Preise nur widerwillig genannt werden, denn der Händler will sich nicht festlegen lassen, dass er teurer ist als sein Konkurrent. Keinem Sammler möchte es einfallen, die Preise in den einzelnen Handlungen zu vergleichen, wenn man nicht durch Erfahrungen wüsste, dass die Preisunterschiede für die gleichen Marken leider ganz gewaltig sind. Verkauft man mal nachher seine Sammlung, dann muss man leider hören, dass man damals, als man die Sachen kaufte, viel zu viel bezahlt hat, und wenn man mit den Sammlerkollegen zusammensitzt, hört man häufig auch, dass man das Stück da und da hätte billiger kaufen können. Endresultat: Ärger und Verdruss, und man sagt sich, das nächste Mal kaufe ich nicht wieder, ohne mich vorher anderweitig über die Preise orientiert zu haben.
Als Sammler stehe ich auf dem Standpunkt, dass den billigen Preis, den der eine Händler machen kann unbedingt auch jeder andere müsste machen können, sofern er als legitimer Briefmarken-händler sein Fach versteht. Aber was handelt nicht heutzutage alles mit Briefmarken! In den Fach-zeitungen unter- und überbietet einer den anderen, jeder will leben und jeder glaubt es richtig zu machen. Mir ist es häufig passiert, dass, wenn ich auf ein mir recht billig erscheinendes Inserat – wohlverstanden in den neuen Kriegsmarken – reagierte, ich eine Zuschrift erhielt, der ich es sofort ansah (und der Orthographie entnahm!) dass ich es nicht mit einem Händler zu tun hatte. Auch habe ich die Erfahrung gemacht und aus den Fachzeitungen ersehen, dass mitunter Frauen als vorge-schobene Personen sich mit solchen Briefmarkenhandel befassen. Es kann sich mit Briefmarken-handel befassen. Es kann kein ordnungsmäßig gemeldeter Händler demgegenüber kein reeller Konkurrent sein. Solange es leider Sammler geben wird, die die Offerten solchen Gelegenheits-händler beachten, wird es leider auch immer diese Parasiten geben. Hier hilft in erster Linie, dass die Fachzeitungen nur Inserate aufnehmen von Händlern mit Steuernummer, und nicht von jedem, der das Inserat einschickt und hoffentlich auch das Geld für dasselbe.
Weiter ist es mir passiert, dass wenn ich mir die Auslagen im Fenster einer Briefmarkenhandlung ansah, ich gleich umringt war von Schülern und anderen „Auchsammlern“, die mir Markenhefte zur Einsicht anboten und desgleichen Marken mit dem Hinweis, dass sie billiger seien, als der Händler im Laden usw. Ich bedaure natürlich jeden Sammler, der seine Sammlung aus solchen „Beständen“ ergänzt.
Es ist wohl das richtigste, wenn man Mitglied mehrerer Tauschvereine ist, jedoch nur von solchen, in denen der Tauschobmann die Gewähr dafür bietet, dass die Sache nicht zu sehr auf Kosten der Sammler von ihm als „Geschäft“ betrieben wird. Am praktischsten für jeden Sammler ist jedoch der persönliche Verkehr mit Sammlerkollegen an bestimmten Wochentagen, soweit solches in einzelnen Städten angängig ist. Nicht nur, dass man daselbst seine Marken ein- und umtauschen kann, man kommt auch mit Männern aus ganz anderen Kreisen zusammen, achtet seine Umgebung und kann viel lernen, und hoffentlich nie zum Nachteil. Am Sammlertisch sind wir alle gleich, einer freut sich über die Schätze des anderen und wird angespornt, ihm nachzueifern. An solchen Sammlerabenden muss auch der Obmann veranlasst werden, sein nächstes vorzulegendes Material man von der und der, von unparteilicher Seite namhaft gemachten Händlerfirma kommen zu lassen, denn Erfahrungen daran hat fast jeder, der sich längere Zeit mit den interessanten „Bildchen“ beschäftigt hat.
Für ganz verkehrt halte ich es heute nur auf Inserate zu tauschen. Erstens ist das nach dem Ausland eine sehr schwierige und umständliche Sache, und zweitens weiß man nie, an wenn man heran gerät und was man zurück erhält. Mir sind fünfzehn Sammler bekannt, die dabei sehr schlecht abgeschnitten haben, und nur ein einziger, der mit dem Tausche zufrieden ist. Vor allem ist es falsch, nach valutaschwachen Ländern zum Nominalbetrag zu tauschen. Valutastarke Länder aber wollen unsere Kriegsmarken nicht haben, die möchten nur Vorkriegsware! Man kann jeden Sammler nur abraten, „Erstsendungen“ zu machen, ich jedenfalls mache selbst auf die verlockensten Anzeigen hin keine „Erstsendungen“ mehr. Habe ich es doch auch erlebt, dass der „Tauschfreund“ sich diverse Marken zurückbehielt und sie „für das von ihm aufzuwendende Rück-porto“ an mich verrechnete. Deshalb ist es richtiger, tauscht am Sammlerabend und seht, was ihr tauscht, aber lasst die Finger von ungesehenen Sachen. Etwas anderes ist es, wenn man mit dem Tauschfreund vereinbart hat, was man gegenseitig einkaufen will, am besten an Hand eines für beide Teile bindenden Katalog.
Sehe jeder Sammler zu, dass er Anschluss an einen Sammlerverein findet, in dem der Tauschverkehr gepflegt wird. Man hat an solchen Zusammenkunftsabenden seine Freude und kommt über manche schlechte Stunde hinweg, von denen man heute genug hat. M.K.B.

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Danzig