Die Preisbewertung der Danziger Briefmarken

Wenn man die auswärtigen philatelistischen Inseratsblätter durchsieht, trifft man auf die verschiedenartiksten Preisbewertungen unserer sich in der internationalen Sammlerwelt unbestritten größeren Beliebtheit erfreuenden Danziger Marken. Wir treffen da auf meist anonyme und darum zweifelhafte Angebote, die alle Werte manchmal zum Teil noch gar nicht erschienen) zu unerhört billigen Preisen anbieten, und andererseits gibt es Inserate, die Einzelmarken aber auch vollständige Sätze enorm hoch bewerten. Von den neueren Katalogen berücksichtigen bereits Borek, in Braunschweig und Michel die Danziger Marken teilweise. Richard Borek Briefmarken-Preisliste C 9 gibt folgende Preise für Danzig 1 an, nebst die erste Reihe für ungebraucht, die zweite Zeile für postfrisch entwertete Marken in Betracht kommt:
5 Pfennig (0,15/0,20), 10 Pfennig (0,25/0,30) 15 Pfennig (0,40/0,50), 20 Pfennig (0,50/0,60)
30 Pfennig (1,00/1,25), 1 Mark (2,25/2,50), 1,25 Mark (2,50/2,75), 2 Mark (4,00/4,50)
2,50 Mark (5,00/5,50), 5 Mark (12,50/14,00). Die 3 Mark ist noch unbewertet, die 1,50 kostet 2,75 ungebraucht, 3 Mark gebraucht. Die Provisorien 10 auf 20 Pfennig werden mit 0,30 und 0,40 angesetzt, 25 auf 30 Pfennig mit 0,50 und 0,60, 1 Mark auf 30 Pfennig mit 2,00 und 2,50 Mark. Die letzten Provisorien kosten nach Borek: 5 Pfennig (0,20/0,25), 15 Pfennig (0,30/0,40), 20 Pfennig (0,40/0,50), 25 Pfennig (0,50/0,60) 75 Pfennig (1,50/1,75)
Der neue Michel-Katalog bewertet die erste Ausgabe der Danziger Marken im allgemeinen zutreffender als Borek. Besonders anerkennenswert ist es hier, dass die Bewertung für ungebraucht und gebraucht mit Ausnahme der 2 Mark-Marke (die ungebraucht mit 7 Mark gebraucht 8 Mark (Druckfehler?) angesetzt ist) durchweg die nämlichen Preise aufweist, was bei den heute so häufigen Gefälligkeitsabstempelungen auch durchaus der Richtigkeit entspricht. Die Preise für die erste Ausgabe Danzig sind jetzt allerdings schon (besonders für die Werte 1,00, 1,50, 200, 3,00 und 5,00 Mark) stark im Steigen begriffen. Michel preist die Marken gebraucht oder ungebraucht wie folgt:
5 Pfennig (0,30), 10 Pfennig (0,40), 15 Pfennig (0,50), 20 Pfennig (0,75), 30 Pfennig und 40 Pfennig (je 1 Mark), 50 Pfennig (1,25 Mark), 1 Mark (2,00), 1,50 (4,00), 2,00 (7 und 8 Mark) 2,50 (5,00), 3 Mark (15,00), 5 Mark (25 Mark).
Die Preise der letzten beiden Marken sind unseres Erachtens im Augenblick nicht ganz zutreffend, da von der 5 Mark bekanntlich noch eine Nachlieferung herausgekommen ist. Die 3 Mark wäre heute höher zu bewerten als die 5 Mark und dürfte bald einen Preis von 30 Mark erklommen haben, während die 5 Mark sich wohl noch eine Zeitlang auf einen Durchschnittspreis von etwa 20 Mark je Stück halten wird.
Gegenüber diesen im Durchschnitt normalen Preisen wird ein uns durch Zufall auf den Schreibtisch flatterndes Angebot eines Herrn K.L. Danzig, Thornscher Weg 10a, für manchen Danziger Philatelisten eine ungemischte Heiterkeit erweckende Überraschung bieten. In dem hektographischen Rundschreiben heißt es u.a. „naiv“ und wörtlich: 1.Ausgabe: Nur zwei Monate in Verkehr gewesen! Kompl. Satz von 13 Werten nur 1000Mark – 2.Ausgabe: 10 Pfennig auf 20 Pfennig, 1 Mark auf 30 Pfennig Kompl. Satz von 3 Werten nur 250 Mark, 3. Ausgabe: 5, 15, 20, 25, 75 Pfennig, 1 ¼, 2, 3, 5, 10 Mark. Kompl. Satz von 10 Werten nur 750 Mark. Ergänzungswerte zur 3.Ausgabe: 2, 2 ½, 3, 10, 30, 40, 50, 80 Pfennig. Kompl. Satz von neun Werten nur 1500 Mark.
Alle vier Sätze auf einmal bezogen bietet der edle Menschenfreund zusammen mit nur 3000 Mark natürlich nun gegen Voreinsendung des Betrages an. Man weiß wahrhaftig nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man dieses Angebot, das auf große Täuschung ausländischer Sammler zugeschnitten ist, liest.
Es ist natürlich außerordentlich schwierig, gegenwärtig einen ganz korrekten Markpreis für die letzten Provisorien bestimmen zu wollen, da man nicht, ob die höheren Werte ab 1,25 nicht noch in kleineren Anzahl nachgedruckt werden dürfen. Wenn mir jedoch die derzeitigen in Danzig herrschenden Händlerpreise zusammen mit den in den letzten philatelistischen Offertenblättern solides Angeboten einer ungefähren Schätzung zugrunde legen, so kommen wir auf das Ergebnis, dass der letzte Satz von neuen Provisorien sich ungefähr in der Preislage von 270 bis 325 Mark bewegt, wobei der letztere Preis auch schon übertrieben erscheint.
Wir haben, mit unseren heutigen Überblick über die derzeitige Marktlage Auswärtigen nur einen ungefähren Anhalt über den Sammlerwert der Danziger Marken geben wollen, ohne uns natürlich mit diesen Durchschnittsbedingungen irgendwie festzulegen. Im übrigen verweisen wir in dieser Verbindung auch auf den heutigen Artikel des Vorsitzenden des „Vereins Briefmarkenfreunde Danzig“ und haben die Ansicht, von Zeit zu Zeit erforderliche Nachträge, Verbesserungen oder Ergänzungen unserer heutigen Ausführungen zu bringen, zu denen wir uns unserem Leserkreise im Interesse des soliden Sammelns die Übermittlung von geeigneten Unterlagenmaterial begrüßen werden.

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