Die Preise fur die Danziger Provisorien

von
Th. Reimann, Danzig

Wenn man früher auf dem Danziger Langen Markt, in der Nähe der Bankhäuser Menschenansamm-lungen sah, die für den Passantenverkehr ein Hindernis waren, dann wusste man, dass dort fast regelmäßig zweifelhafte Geldgeschäfte abgeschlossen wurden. Die Polizei hat es vermocht, diesen Elementen zum größten Teil ihr „Hand“werk zu legen. Waren es damals die polnischen Noten, mit denen man auf der Straße spekulierte, so sind es heute die Danziger Provisorien, die man „schiebt“, wenn auch nicht ganz in demselben Maße. Dieses Spekulantentum hat es fertig gebracht, dass die Danziger Marken in Danzig zum Teil rarer sind als in unserem alten Vaterlande.
Geht man heute ahnungslos durch die Danziger Straßen vielleicht auch in einem Postamt, um sich ein Paar Marken zu „erstehen“, so wird man oft das Glück – oder auch das Unglück – haben, den geheimnisvoll gesagten Worten angesprochen zu werden: „Wollen Sie Danziger Marken kaufen?“ – Natürlich will man das, und die prompte Gegenfrage lautet: „Was kosten sie?“ Die Antworten auf diese Frage könnten schwache Naturen zu einer Ohnmacht verhelfen, stärkere werden eine Fast in der Tasche machen und ihres Weges gehen. Und das ist recht so.
Die so sehr gesuchten Danziger Marken mit schrägem Aufdruck haben nach ihrer kleinen Auflage haben nach ihrer kleinen Auflage zu urteilen, wohl der Berechtigung auf Liebhaberpreise. Jeder Sammler wird dem Rechnung tragen und für den Erwerb dieser Marken einen Betrag anwenden, der dem Sammlerwert entspricht. Diese Zeiten sollten den Sammlern eine natürliche und ungefähre Richtschnur zur Bewertung der Mareken geben und richten gleichzeitig an die Sammler die Bitte, beim Kauf dieser Marken einen reellen Händler oder Tauschfreund zu bevorzugen und nicht die sich auf den Straßen und Postämtern breitmachenden „Schieber“ zu unterstützen. Die Preise, die bisher für die letzten Provisorien (2 bis 80 Pfennig) verlang wurden, schwanken zwischen 150 bis 300 Mark und darüber. Dieser weite Spielraum sollte zu bedenken Anlass geben. Der Preis von 300 Mark und höher ist wohl zum größten Teile durch Kettenbildung entstanden. Als solider Sammler und nach Rücksprache mit Sammelfreunden will ich über die Preise angeben, die zur Zeit der Seltenheit der Marken etwa entsprechend sein dürften;
2 Pfennig 15,00 Mark
2 ½ Pfennig 25,00 Mark
3 Pfennig 3,00 Mark
7 ½ Pfennig 10,00 Mark
10 Pfennig 2,00 Mark
20 Pfennig 45,00 Mark
40 Pfennig 0,80 Mark
50 Pfennig 75,00 Mark
80 Pfennig 1,50 Mark
Summe 177,30 Mark
Bei der Bewertung dieser Marken habe ich mich von der Ansicht leiten lassen, dass diese Preise einigermaßen angemessen sind, bin aber andererseits überzeugt davon, dass sich noch größere Verschiebungen in der Preislange ergeben dürften, ehe der solide Katalogpreis einigermaßen feststeht.
Die sogenannten Marken des „inneren Dienstes“ (60 Pfennig, 1 Mark und 2 Mark) sind, da sie überhaupt nicht an das Publikum abgegeben werden jetzt unmöglich zutreffend abzuschätzen. Ich bin mir bewusst, mir durch diese freie Aussprache unter Umständen starke Gegner zuzuziehen. Mich leitet jedoch der Wunsch Freunde des Sammelsportes vor Übervorteilung zu Schützen, weshalb ich auch auf persönliche Angelegenheiten hierbei keine Rücksicht nahmen darf. Ich würde mich aber freuen, wenn auch andere Sammler und Händler sich zu diesem zeitgemäßen Thema, das weit über die Grenzen Danzigs hinausgreift und im Interesse des philatelistischen Rufes des Frei-staates einmal besprochen werden musste, äußern würden.

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