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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 100 - Februar, 1979 » Meine Erlebnisse mit Danziger Briefmarkenhändlern

Zum Rundschreiben Nr. 100 der Arge Danzig
Sonderbeitrag Nr. 2                 November. 1978

Meine Erlebnisse mit Danziger Briefmarkenhändlern

Angeregt durchschlecht leuchtende Beispiele diverser Klassenkameraden begann auch ich, etwa im Sommer 1937, dreizehn Jahre jung, Briefmarken zu sammeln. Wir sammelten im wahrsten Sinne des Wortes; aus dem Papierkorb des Kaufmanns, aus der Schublade von Tante Emma, Wir tauschten wie die Irren eine blaue gegen zwei gelbe, eine große gegen zwei kleine Marken. Wir überfielen die Briefmarkenhändler und quälten sie so lange, bis sie uns ein paar Marken schenkten, um uns loszuwerden.

Ich glaube, auf diese Art habe ich als erstes den Händler Popa mit den Vornamen S. Andreas kennengelernte Er hatte ein Ladengeschäft in unserem Wohnort Langfuhr, und wir gingen nach der Schule, von Königstal kommend, bei ihm vorbei. Sein Laden in der "A. Dolfittler-Straße" Nr. 100 schien aus alten Zeiten zu stammen Karnevalistisch ausgedrückt handelte er mit "Kivumentalem Knuddelkitt", denn neben Briefmarken gab es dort auch Schulartikel, Schreibwaren und Leihbücher. Jedoch der Schein trügte. Popa war ein schwerreicher Mann, dem einiges an Häusern gehörte, wahrscheinlich aus nicht getilgten Hypothekengeschäften stammend. Er war damals schon recht alt und wirkte auf den ersten Blick wie Frankensteins Großvater, weil er infolge einer überstandenen Siphilis keine Nase hatte, sondern an deren Stelle einen großen roten Fleck mit zwei Löchern drin. Wir- bösen Buben schrieben eines Tages einen diesbzüglichen Steckbrief über ihn, demzufolge er wegen mindestens 25 Verbrechen gesucht wurde, und hefteten diesen Steckbrief an eine Litfaßsäule auf dem Langen Markt in Danzig.

Es gab einen Riesenerfolg. Papa wurde zwar nicht gefaßt, aber die halbe Fahrbahn war blockiert, während wir Urheber uns in der Gegend der Rats-Apotheke herumdrückten, den Menschenauflauf auf der anderen Seite bestaunten, wobei wir abwechselnd Magenkrämpfe vor Lachen b ekamen beziehungsweise einen "Herzfall" in die kurzen Hosen, wenn ein Schupo aufkreuzte.

Von Popa erwarb ich die ersten Exemplare der Kleinrentnerhilfe. Die merkwürdige Bezeichnung eines Kleinrentners hatte ich nicht so recht verstanden, und so verlangte ich die Leimklempnerhilfe oder was ähnliches. Später waren diese zwei Marken bei Popa erhältlich im Tütchen "25 verschiedene Danzig" zu 1,25. Popa war auch der einzige Händler, mit dem ich vor und nach dem Krieg Kontakt hatte. Popa hatte nach der Flucht seine "Internen Schnellversteigerungen" von Oberhausen aus getätigt, wo er dann 92 oder 93 jährig etwa im Jahre 1954 verstarb.

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Arge Danzig, Rundschreiben 100, Sonderbeitrag Nr. 2, November 1978, Seite 1.


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Added: 15/12/2015
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