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Aus alten Zeitungen und Zeitschriften
[vorgelegt von Ronald van Waardhuizen, eMail: ronny@danzig.org]

Briefmarken-Rundschau vom 19.August 1920
Beilage der Danziger Zeitung Nr. 10

Die philatelistischen Überraschungen.

Aus dem Tohuwabohu der unzähligen Nachkriegsmarken klingt jetzt immer vernehmbarer an das Ohr des Sammlers eine Stimme, die da ruft: „War diese Ausgabe wirklich notwendig?“ Wir werden überschwemmt mit Marken, Marken, Marken aller möglichen Gebiete, deren Grenzen zum Teil staatsrechtlich nicht einmal festgelegt sind, und für deren Ausgabe im Grunde niemand so recht die Verantwortung tragen kann.
Auch in unserem Freistaat stehen wir wieder … vor der Ausgabe neuer Briefmarken, deren Notwendigkeit von den Nichteingeweihten draußen im Reich und im philatelistischen Ausland auf den ersten Blick kaum sofort verstanden werden wird. Dennoch war es für Danzig … durchaus erforderlich, beizeiten für Ersatz der zu Ende gehenden bisherigen Briefmarkenbestände zu sorgen. Die Reichsdruckerei in Berlin, mit Arbeiten überhäuft, kann nicht mehr so viel und so rasch liefern. Wie Danzigs oberste Postbehörde es wünschen mußte, war auch die äußerste Sparsamkeit der Schaffung neuer Postwertzeichen geboten. Der oberste Leiter unseres Postwesens, Postrat Zander, hat mit dem Grundsatz: „Erst wägen, dann wagen“ alle an dieser Stelle anfangs gestreiften Einwendungen wohl überlegt, ehe er einer hiesigen angesehenen Buchdruckerei den Druckauftrag erteilte.
In Danzig erzählt sich die Schuljugend, daß der britische Oberkommissar Sir Reginald Tower in seinen wenigen Mußestunden selbst dem Briefmarkensport huldige. Wir wollen und können dieses Gerücht nicht kontrollieren, wohl aber wissen wir, das Sir Reginald sich persönlich viel mit der Ausgabe neuer Danziger Marken beschäftigt und verschiedentlich darüber mit dem Leiter unseres Postwesens verhandelt hat. Postrat Zander ist es allerdings in erster Linie, der die schwierigsten Vorarbeiten und die in jeder Weise korrekt bewirkte Ausführung des Auftrags verantwortlich zu überwachen hatte. Es soll an dieser Stelle auch der Dank aller Danziger Philatelisten für die nun glücklich zu Ende geführte vorzügliche Leistung ausgesprochen werden. Bei der Betrachtung und Prüfung der ganzen Reihenfolge wird man allerdings nicht allen neu geschaffenen Marken in Bausch und Bogen vom praktischen, ästhetischen und philatelistischen Standpunkt aus das nämliche Lob zuerkennen dürfen. Schon der öliggrüne Überdruck „25“ und der Sterne auf dem Danziger 30-Pfennig-Wert (MiNr. 18) dürfte, wie bereits in der ersten Besprechung hervorgehoben, im täglichen Verkehr, besonders bei minderwerter Beleuchtung, zu Verwechselungen mit der 30 Pf.-Marke Veranlassung geben. Das Grün verschwimmt und hebt sich schlecht von dem dunklen zweifarbigen Untergrund ab. - Etwas zweckentsprechender und praktischer wirkt schon die schwarze sternförmige Ausblockierung der beiden Wertziffern und die am oberen Rand in der Mitte stehende schwarze Wertziffer „1“ neben dem Wort „Mark“ (MiNr. 26) auf der neu überdruckten 30 Pfennig, da die Hervorhebung des neuen Wertes hier deutlicher hervortritt. Doch ist der Gesamteindruck auch hier unschön. … - Für den neuen Wert zu 1,25 M (MiNr. 27) kam nur die 3 Pf.- Marke in Betracht. Die rotbraune Farbe des Wortes „Danzig“ in Druckschrift, das die Inschrift „Deutsches Reich“ verdeckt, wirkt hier diskret und die das „M“ flankierenden Ziffern „1 ¼“ heben sich trotz der grundfarbenähnlichen Nuance genügend ab. - Die durch blauen Überdruck erfolgte Umwandlung der kastanienbraunen 35 Pfennig in 2 Mark (MiNr. 28) ist vornehm und zart gehalten. - Einen überaus geschmackvollen und ansprechenden Eindruck macht auch der bordeauxrote Schreibschrift-Aufdruck „Danzig“ quer über die dunkelrote 1-Mark-Kupferdruck-Marke (MiNr. 48) mit einem die untere Leiste nicht ganz ausfüllenden und nicht bis zu den Rändern des Markenbildes gehenden Strich. - Der neue 3-Mark-Wert grün auf 7 ½ Pfennig orange (MiNr. 29) darf als glücklose Farben- Zusammenstellung bezeichnet werden. - Dagegen wirkt der schwarze Überdruck auf 7 ½ Pfennig, die Zahl „10“, das Wort „Mark“ und das schräge „Danzig“ in Schreibschrift mit der durch schraffierte gekreuzte Linien ausblockierten Inschrift „Deutsches Reich“ etwas zu gehäuft und massig. - Am originellsten und für den Sammler interessant ist aber der neue 5-Mark-Wert (MiNr. 30). … Hier zeigt die alte eingezogene graue 2-Pfennig-Marke zum ersten Mal in der Philatelie das Danziger Banner. An einem von rechts unten nach links oben quer über das Germaniabild gestellten Flaggenstock flattert die alte rote Hanseatenflagge mit den beiden deutlich sichtbaren weißen Kreuzen: „Nec temere – nec timide!“


Arge Danzig, Rundschreiben 260, 3. Quartal 2018, Seite 3214.


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Added: 15/07/2018
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