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Gallery » Geschichte der Stadt Danzig, Erich Keyser » polnischen Hafen Gdingen

>> Die Freie Stadt:

Zulassung polnischer Firmen (1937). Vor allem war für Danzig die Schaffung des polnischen Hafen Gdingen abträglich.

Bereits seit dem Jahre 1921 plante die polnische Regierung die Errichtung eines eigenen Hafens im nördlichen Winkel der Danziger Bucht bei dem kleinen Fischerdorf Gdingen. Er wurde mit technischer und geldlicher Hilfe des Auslandes in kurzen Jahren großzügig ausgebaut. Neben ihm entstand in ungeregeltem Wachstum eine Stadt, die schließlich über 100 000 Einwohner zählte. Diese Maßnahmen stützten sich auf die gewaltige Entwicklung, die der polnische Außenhandel seit 1925 nahm. Da das Deutsche Reich Kohlen aus Polnisch Oberschlesien nicht mehr abnahm, suchte und fand Polen neue Absatzgebiete im Auslande, besonders nach dem dieses durch den englischen Bergarbeiterstreik im Jahre 1926 in Bedrängnis geraten war. Die Ausfuhr von Kohle und die Einfuhr von Schrott und Erzen ließen den seewärtigen Warenverkehr im Danziger Hafen von 2,3 Mill. t im Jahre 1924 auf 6,3 Mill. t 1926, 7,8 Mill. t 1927 und auf 8,6 Mill. 1928 anschwellen. Die Danziger Hafenbecken wurden ausgebaut; aber kurz darauf trat ein starker Rückschlag ein. Die polnische Ein- und Ausfuhr ging wegen der Weltwirtschaftskrise um 1 Mill. t zurück. Wenn der Güterumschlag des Danziger Hafens aber schon 1932 auf 5 Mill. t sank, so lag dies vor allem daran, daß die polnische Regierung seit 1924 versucht hatte, den polnischen Warenverkehr mehr und mehr über Gdingen zu leiten; seit 1932 übertraf der Umschlag in Gdingen mengenmäßig den Umschlag von Danzig. Da in Danzig nur Massengüter, wie Kohle und Erze verladen wurden, an denen der Danziger Kaufmann wenig verdiente, dagegen über Gdingen Stückgüter und hochwertige Waren verschifft wurden, war die Danziger Wirtschaft um so empfindlicher beeinträchtigt. Zahlreiche einträgliche Handelszweige wurden zum Erliegen gebracht, so der Handel mit Wolle und Baumwolle, Zucker, Reis, Tee und anderen Kolonialwaren. Während in Gdingen eine Reisschälmühle errichtet wurde, mußten die Zuckerraffinerien in Danzig ihren Betrieb einstellen. Nur in der Einfuhr von Erzen und Kies und in der Ausfuhr von Holz bewahrte der Danziger Hafen seinen Vorrang. Während in den Jahren 1934 - 1938 der Umschlag von Gdingen von 7 auf 9 Mill. t stieg, nahm er in Danzig nur von 6,3 auf 7,1 Mill. t zu. Im Jahre 1938 war am gesamten polnischen Außenhandel der Gdinger Hafen mit 47 % und der Danziger Hafen nur mit 15 % beteiligt. Dazu kam, daß auch der Handel in Danzig vielfach in polnische Hände überging. Obwohl Danzig nur deshalb vom Deutschen Reich abgetrennt worden war, um Polen einen wirtschaftlichen Zugang zum Meere zu gewähren, wurde die Freie Stadt für diesen Zweck immer weniger ausgenutzt.

Nur in kirchlicher und kultureller Hinsicht konnte sich die Danziger Bevölkerung frei betätigen. Wie die evangelische Bevölkerung (60 %) unter einem Generalsuperintendenten eine besondere Gemeinschaft innerhalb der altpreußischen Landeskirche bildete, war die katholische Bevölkerung (35 %) seit 1926 in dem Bistum Danzig mit dem Sitz des Bischofs in Oliva zusammengeschlossen. Ein blühendes Schulwesen und ein reiches künstlerisches und wissenschaftliches Leben bekundeten die in Danzig tätigen schöpferischen Kräfte. Die Zoppoter Waldoper auf der in jedem Sommer Werke Richard Wagners aufgeführt wurden, die Zoppoter Sportwoche, viele fachliche Tagungen die Erholungsplätze an der See und in den Wäldern zogen jährlich viele Zehntausende deutscher Gäste aus dem >>

Geschichte der Freie Stadt Danzig, Erich Keyzer, Seite 32.


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Added: 12/11/2010
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