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Gallery » Rundschreiben 123 - 3. Quartal, 1984 » Gespräch mit einem ehemaligen Buchdrucker der Druckerei Sauer/Danzig

>> Gespräch mit einem ehemaligen Buchdrucker der Druckerei Sauer/Danzig am 5. April 1984

Aber nein - das hätte ja gar nicht gelohntl Die Dinger sind einzeln gedruckt worden.

Natürlich. Wenn-ich mich recht erinnere, hat ja die eine Privatganzsache, welche weiß ich jetzt nicht, nur eine Auflage von 3.000 oder 4.000 Stück. - Aber ich habe noch etwas auf dem Herzen. Hier haben wir gerade die Marke zu 1 Gulden, es ist die Nr. 212, und da steht unten das Wort Olive. Das zeichne ich einmal mit Bleistift ganz groß auf. Und nun. schreibe ich den linken 0-Bogen und das 1 noch einmal eine Winzigkeit rechts davon hin. Es sieht nun aus, als wäre da ein senkrechter Strich durch das 0, und das i sieht fast doppelt aus oder wie ein 1. Wie kann so etwas drucktechnisch passieren?

Das dürfte ein Schmitzdruck sein. Wissen Sie, das ist so -

Entschuldigung, wenn ich Sie unhöflicherweise unterbreche. Ich habe noch nicht alles erzählt. Dieser "Doppeldruck", neuerdings im Katalog als "Doppelprägung" bezeichnet, kommt immer nur auf Feld 42 des Bogens vor!

Dann liegt es an der Platte. Sicherlich hat der Zeichner sich vertan, hat nicht genügend weggeätzt, anschließend ist der Zeichenfehler ein Plattenfehler geworden.

Das leuchtet ein. Aber es ist noch nicht alles: Wir kennen das Feld, und dies Merkmal gibt es bei der ersten Auflage, es ist Michel Nr. 207, dazu bei der eberdruckmarke 231 für die Luposta. Dann wurde die Farbe geändert, es gab erst die mit dem gelblichen Rahmen, die. Nr. 212a, und deren tiberdruckmarke.230. Während nun auf der 212a (und natürlich auch auf der 230) Feld 42 ohne das Merkmal ist, ist es plötzlich bei der erneut etwas geänderten Farbe 212b, wieder da und ist geblieben auch noch bei der Hakenkreuz-Wasserzeichen-Marke zu 1 Gulden und deren Überdruck mit Deutsches Reich. - Hat man denn zwischendurch etwa eine andere Platte genommen? Das erscheint mir doch unwahrscheinlich.

Da hätte ich auch keine Erklärung.

Lassen Sie mich mal etwas hier blättern. Sehen Sie, wir haben Glück: Sie haben hier den Satz von der Luposta, und Ihre Nr. 231 hat dieses Merkmal. Sicher können Sie es mit der Lupe erkennen.

Ja! Ich sehe es jetzt auch! Und nun, wie ich es selbst sehe, ist meine Erklärung richtig: Der Zeichner hat sich etwas vertan, und irgendwann im weiteren Verlauf ist nicht genügend Säure rangekommen, und da sind diese Strichlein stehen geblieben und mitgedruckt worden.

Fein, da haben wir eine Erklärung! Aber warum kommt das bei der 212a nicht vor? Hier haben Sie eine 212a, und eine 212b in Ihrer Sammlung. 212b ist laut Katalog eine schwächer verchromte Platte.

Eine was? Schwächer verchromte Platte? Das ist doch Unsinn! Die Plätten bestanden aus Zink, sie wurden auf Holz genagelt, häufig wurde noch etwas Pappe dazwischen gelegt, um die Platte zu schonen.

Mein Gott - daher kommen also die Klischeenägel!

Ja, die lockern sich manchmal, werden dann wieder eingetrieben, und dabei kann schon  mal was schief gehen. Aber ich habe eine Erklärung, warum hierauf Feld. 42 nichts zu sehen ist: Schauen Sie sich selbst den zarten Druck an, so schön Sauber und nur wenig eingefärbt, und nun sehen Sie daneben die 212b, wie dick die Farbe - das Chromgelb - aufgetragen Ist. Und natürlich auch die Farbe für das Mittelstück! Bei einem so sauberen und zarten Druck ist eben der "Fehler" nicht zu sehen.

Herr Kreft Sie haben uns sehr geholfen! Wenn es Ihnen irgend möglichist, dürfen Geduld, für zum letzten  Sie auch einmal zu uns kommen! Ich danke ihnen für Ihre Ihre Liebenswürdigkeit und für die Geschenke - und Prostzum letzten Schluck! Und Auf Miedersehen!

 

Arge Danzig, Literaturbeilage 121, 6. April 1984, Seite 4.


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Added: 02/11/2015
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