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>> Briefmarken-Rundschau:
Beilage Nr. 10 der "Danziger Zeitung" vom 19. August 1920.

Die philatelistische Überraschung:
Aus dem Tohuwabohu der unzähligen Nachkriegsmarken klingt jetzt immer vernehmbarer an das Ohr des Sammlers eine Stimme, die da ruft: "War diese Ausgabe wirklich notwendig?" Wir werden überschwemmt mit Marken, Marken, Marken aller möglichen Gebiete, deren Grenzen zum Teil staatsrechtlich nicht einmal festgelegt sind, und für deren Ausgabe im Grunde niemand so recht die Verantwortung tragen kann.

Auch in unserem Freistaat stehen wir wieder, wie die "Danziger Zeitung" vom letzten Sonntag bereits ankündigen konnte, vor der Ausgabe neuer Briefmarken, deren Notwendigkeit von den Nichteingeweihten draußen im Reich und im philatelistischen Ausland auf den ersten Blick kaum sofort verstanden werden wird. Dennoch war es für Danzig, wie wir bereits in Nr. 6 der "B.R." vom 20. Juli bemerkten, durchaus erforderlich, beizeiten für Ersatz der zu Ende gehenden bisherigen Briefmarkenbestände zu sorgen. Die Reichsdruckerei in Berlin, mit Arbeiten überhäuft, kann nicht mehr so viel und so rasch liefern, wie Danzigs Oberste Postbehörde es wünscht, und andererseits war auch die äußerste Sparsamkeit zur Schaffung neuer Postwertzeichen geboten.

In Danzig erzählt sich die Schuljugend, dass der britische Oberkommissar Sir Reginald Tower in seinen wenigen Mußestunden selbst dem Briefmarkensport huldige. Wir wollen und können dieses Gerücht nicht kontrollieren, wohl aber wissen wir, das Sir Reginald sich persönlich viel mit der Ausgabe neuer Danziger Marken beschäftigt und verschiedentlich darüber mit dem Leiter unseres Postwesens verhandelt hat. Postrat Zander ist es allerdings in erster Linie, der die schwierigsten Vorarbeiten und die in jeder Weise korrekt bewirkte Ausführung des Auftrags verantwortlich zu überwachen hatte. Es soll an dieser Stelle auch der Dank aller Danziger Philatelisten für die nun glücklich zu Ende geführte vorzügliche Leistung ausgesprochen werden.

Bei der Betrachtung und Prüfung der ganzen Reihenfolge wird man allerdings nicht allen neu geschaffenen Marken (Mi-Nr. 26-31 - die Red.) in Bausch und Bogen vom praktischen, ästhetischen und philatelistischen Standpunkt aus das nämliche Lob zuerkennen dürfen.

Etwas zweckentsprechender und praktischer wirkt schon die schwarze sternförmige Ausblockierung der beiden Wertziffern und die am oberen Rande in der Mitte stehende schwarze Wertziffer "1" neben dem Wort "Mark" auf der neu überdruckten 30 Pfennig, da die Hervorhebung des neuen Wertes hier deutlicher hervortritt. Doch ist der Gesamteindruck auch hier unschön. Dieser Mißstand ließ sich aber beim besten Willen mit den gegebenen Mitteln nicht vermeiden.

Für den neuen Wert zu 1 ¼ M kam nur die 3 Pfennig-Marke in Betracht. Die rotbraune Farbe des Wortes "Danzig" in Druckschrift, das die Inschrift "Deutsches Reich" verdeckt, wirkt hier diskret, und die das "M" flankierenden Ziffern "1¼" heben sich trotz der grundfarbenähnlichen Nuance genügend ab. Einen überaus geschmackvollen und Eindruck macht auch der bordeauxrote Schreibschrift-Aufdruck "Danzig".

Die durch blauen Überdruck erfolgte Umwandelung der kastanienbraunen 35 Pfennig in 2 Mark ist vornehm und zart gehalten.

Der neue 3-Mark-Wert grün auf 7½ Pfennig orange darf als glücklose Farbenzusammenstellung bezeichnet werden.

Dagegen wirkt der schwarze Überdruck auf 7½ Pfennig, die Zahl "10", das Wort "Mark" und das schräge "Danzig" in Schreibschrift mit der durch schraffierte gekreuzte Linien blockierten Inschrift "Deutsches Reich" etwas zu gehäuft und massig.

Am originellsten und für den Sammler interessant ist aber der neue 5-Mark-Wert, bei dessen Überdruck vielleicht eine in der "Danziger Zeitung" schon im Februar d. J. gegebene Anregung befolgt wurde. Hier zeigt die alte eingezogene grau 2-Pfennig-Marke zum ersten Mal in der Philatelie das Danziger Banner. An einem von rechts unten nach links oben quer über das Germaniabild gestellten Flaggenstock flattert die alte rote Hanseatenflagge mit den beiden deutlich sichtbaren weißen Kreuzen: "Nec temere - nec timide!" ("Weder unbesonnen, noch furchtsam").

Arge Danzig, Rundschreiben 231, 2011, Seite 2163.


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Added: 16/04/2011
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