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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 236 - 3. quartal 2012 » Ein Berliner Urteil über die Danzig Provisorien



Aus alten Zeitungen und Zeitschriften.
[Vorgelegt von Ronald van Waardhuizen, Tel. 00323-2251616


Briefmarken-Rundschau:
Beilage Nr. 14 der „Danziger Zeitung“ vom 16. September 1920.               Ein Berliner Urteil über die Danzig Provisorien.

Einem längeren Artikel „Briefmarken-Kunde“ der „Berliner Börsen-Zeitung“ vom 12.
September entnehmen wir folgende Ausführungen, die in Danziger philatelistischen Kreisen 
von besonderem Interesse sein dürften:

„...Die jüngsten Überraschungen bereitete uns Danzig mit einem ganzen Füllhorn neuer „Provisorien“, mit Wertaufdrucken in verschiedenen Formen und Farben auf unseren Germaniamarken, selbst eine Flagge ist vertreten. „Nur“ zwanzig Abarten umfaßt diese eine Serie, die von 2 Pfennig bis 10 Mark reicht. Und nun wiederholt sich hier das alte Spiel wie bei den ersten „Sarre“-Marken: einzelne Werte, so jene zu 2, 2 1/2, 30, 50, 60 Pfennig und 1 bis 2 Mark, sind schon nicht mehr auf geradem Wege zu erreichen, sondern nur mit hohem Aufgeld. Sie „sollen“ bloß zwei Tage am Schalter zu haben gewesen sein, und es „sollen“ nur wenige Bogen gedruckt worden sein! Gemach! Wahrscheinlich wird’s auch hier wie bei den erwähnten „Sarre“ gehen: Erst ein ungeheures Hinaufschrauben der Preise, ein Geschrei, diese und jene der Marken gehören zu den größten Seltenheiten, und nach wenigen Monaten - vielleicht schon Wochen - ein zahlreiches Angebot zu bescheidenen Preisen. Nun hat der Danziger Magistrat eine Markenvertriebsstelle eingerichtet, die an private Sammler Serien abgibt mit 15 Prozent Aufschlag für Abstempelung, Verpackung, Büro usw. Sehr warm zu begrüßen, aber wir „hier draußen“ haben nicht den geringsten Vorteil davon, denn unser liebes gutes, urdeutsches Danzig gehört ja zum „Ausland“. Und aus Letzterem dürfen keine Briefmarken eingeführt werden, darüber wacht eine hohe Zensurbehörde, die alle einge-schriebenen Briefe öffnet und sie, wenn sie Marken enthalten, zurückgehen lässt. Wer hat den Schaden? Die zahllosen privaten Sammler, denen es nicht gestattet ist, ihre Sammlungen für verhältnismäßig billiges Geld zu vervollständigen. Wer lacht sich ins Fäustchen? Die Händler, die natürlich Mittel und Wege finden, sich in großen Mengen die betreffenden Marken zu verschaffen und sie wieder zu verkaufen. Es wäre dringend zu wünschen, dass unsere Reichsbehörde ein Einsehen hat und in bestimmten Beträgen die Einfuhr von Marken gestattet, ohne daß erst umständliche Anträge usw. gestellt zu werden brauchen.“Wir schließen uns dem in den letzten Zeilen ausgesprochenen Wunsch in vollem Umfang an. Andererseits möchten wir aber doch bemerken, dass der Vergleich der Danziger Provisorien mit den ersten „Sarre“-Marken stark hinkt. Wir können dem Verfasser aus bester eigener Kenntnis versichern, daß von der „Aufbrauchserie“ tatsächlich nur die bei den Danziger Postanstalten noch vorrätigen außer Kurs gesetzten deutschen Marken, - d. h. verhältnismäßig wenige Bogen -  überdruckt worden sind. Die genauen Auflageziffern der einzelnen Werte hoffen wir später veröffentlichen zu  können.

               Stempelwünsche.

In Deutschland ist vor kurzem seitens der obersten Postbehörde die Anordnung getroffen worden, daß zwecks Zeitersparnis die für Wertbrieffrankaturen hauptsächlich in Betracht kommenden großen Markwerte nicht, wie bisher, doppelt, sondern nur einfach abgestempelt werden sollen. Wie wäre es, wenn die zuständige Danziger Behörde auch für unseren Freistaat eine derartige – besonders von den Briefmarkensammlern sicherlich mit Dank begrüßte - Anordnung träfe? Doppelte Stempelung verschmiert nur unnötigerweise das Markenbild und macht die Marke weniger beliebt. Bei dieser Gelegenheit darf man wohl auch die Anregung unterbreiten, es möge Vorsorge dafür getroffen werden, daß die postalischen Stempel ab und an in gewissen Zeiträumen einer leicht zu bewerkstelligenden Reinigung unterzogen werden möchten.


>>>>Arge Danzig, Rundschreiben 236, Seite 2327.


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Added: 12/07/2012
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