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Gallery » Rundschreiben 246 - 1. Quartal 2015 » Danzig 1945 – Postnotflüge

Aus alten Unterlagen (Literatur-Beitrag 7)

Austria-Philatelist 124/1956, Seite 42-43

Danzig 1945 – Postnotflüge

von Günter Fuchs, Speyer

Unter diesem Titel schreibt Alfred Clement in seinem „Handbuch der Militärluftpost 1973 bis 1954“ auf S. 88 wörtlich Folgendes:

„Kurz vor dem Fall der Festung Danzig wurde den Angehörigen der dort liegenden Truppen anscheinend Gelegenheit gegeben, noch einen Brief zu schreiben, der mit einem Flugzeug ins Reichsgebiet befördert werden sollte. Der Umschlag war mit einer 12-Pfg-Marke zu frankieren, die in diesem Falle den Charakter einer Zulassungsmarke hatte. Zur Entwertung der Marke wurde der Stempel des Postamtes am Flughafen von Danzig verwendet. Da kaum ein Soldat eine 12-Pfg-Marke zur Verfügung hatte, wurde der Betrag bar eingezogen und die Marke von einer Dienststelle aufgeklebt. Ein bekanntes Belegstück trägt den Stempel vom 7. März 1945, weitere Einzelheiten sind unbekannt.“

Soweit Alfred Clement. Der Zufall spielte mir in kurzer Zeit drei Briefe in die Hand, die unter dieser Rubrik einzuordnen sind. Ich führe meine Stücke nachstehend auf:

1. Brief, Absender Dienststelle FPNr. 22680 E/C, Empfänger Ortsgruppenleiter Burglangenfeld, Opf., R-Brief, jedoch ohne R-Zettel und ohne Ankunftsstempel, jedoch mit Eingangsstempel Ogru, Poststempel „DANZIG“ / - 8.3.45 –9 / Flughafen“, ohne Marke

2. Briefvorderseite, Absender nicht angegeben, Dienststempel (richtiger Briefstempel) FPNR. 45544, Empfänger K.- und U.-Stelle der Lw.,Leipzig C 1, Roßplatz Nr. 11, Kastenstempel „MIT LUFTPOST/PAR AVION“, Poststempel „Danzig / - 9.2.45. – 9 / Flughafen“ auf 5-Pfg.-Dauerserie 1941

3. Brief, Absender Ch. Heyer, Danzig-Heubude, Dammstraße 18, Empfänger Hilfszollassistent Walter Heyer, Eins.-Komp. d. Zollgrenzschutzes, (17a) Donaueschingen, Barbara – Kaserne, Poststempel „DANZIG“/ - 8.3.45. - / Flughafen“ auf 12-Pfg.-Dauerserie 1941

Anhand dieses Materials ist zunächst festzustellen, daß zumindest am 8. März 1945 nochmals Post ausgeflogen wurde. Aus Brief 1 ist zu ersehen, daß Feldpost der Einheiten selbst der Marke nicht bedurfte. Brief 2 ist lediglich der Vollständigkeit halber aufgeführt, er dürfte nicht als zum Notflug gehörig angesehen werden. Brief 3 beweist, daß nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilpersonen (denn um eine solche dürfte es sich unstreitig handeln) sich dieses Notfluges bedienen konnten. Brief 3 ist an einen Empfänger gerichtet, der im Genuß der Feldpostgebührenfreiheit stand (Zollgrenzschutz). Briefe 1 und 2 tragen – vom Absender maschinenschriftlich angebracht – den Vermerk „Feldpost“, während Brief 3 nur den handschriftlichen Vermerk „Luftpost“ trägt.

Mir ist ferner bekannt:

4. Brief, Absender Zivilperson in Danzig, Empfänger Zivilperson in Hamburg, Poststempel „DANZIG 9.3.45 UZ b“ mit Zeichnung Krantor. (Konnte von mir noch nicht erworben werden).

Nach mir vorliegenden geschichtlichen Unterlagen wurde Danzig erst am 30. März 1945 vollständig von den sowjetischen Truppen besetzt. Es ist also anzunehmen, daß noch später als am 9. März 1945 Post ausgeflogen werden konnte. Es wäre jedoch denkbar, daß der Flugplatz sehr weit ab vom Weichbild der Stadt lag und schon früher besetzt war.

Vermutung:
Notflüge aus Danzig wurden durchgeführt, jedoch nicht nur für Soldaten, sondern für alle eingekesselten Personen. Vielleicht wurde ein Aufruf erlassen, daß am 8. (oder 9.) März 1945 letztmals Post ausgeflogen würde und daraufhin alle Leute nochmals geschrieben haben. Sehr eifrige Leute brachten die Post zum Flughafen, andere warfen sie in der Stadt ein (Brief 4).

Lt. unseres ARGE-Mitglieds Klaus Böhm war der Danziger Flugplatz amtlich ab 16.3.1945 nicht mehr anfliegbar (Red.).

 

Arge Danzig, Rundschreiben 246, Seite 2683.


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Added: 06/08/2015
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