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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 188 - 3. Quartar 2000 » Anton Auffenberg: Bahnpost im Raum Danzig

Anton Auffenberg: Bahnpost im Raum Danzig

2 Einführung der Bahnpost in Preußen und im Raum Danzig, Organisation

Der Bahnpostbetrieb wurde in Preußen am 1. Mai 1849 aufgenommen, nachdem bereits ab März zunächst 8 Bahnpostämter zur Vorbereitung der Bahnpost eingerichtet worden waren. An dieser Stelle ist noch ein Hinweis auf die Bezeichnungsformen notwendig. Die ursprüngliche Bezeichnung lautete „Post-Speditions-Ämter", die ab 29.1.1856 in "Eisenbahn-Post-Ämter" und ab 1875 in „Bahnpost-Ämter" geändert wurde.

Jedes Bahnpostamt war untergliedert in so genannte „Büros". Zur Einrichtung der Bahnpost heißt es in einer Vorschrift von 1849 unter anderem:

Die hiernach in Thätigkeit tretenden Büreaus werden mit Rücksicht darauf dass der expedirende Postbeamte hauptsächlich die Umspedirung zu besorgen hat: Speditions-Büreaus genannt. Die Speditions-Büreaus einer oder mehrerer Eisenbahn-Routen werden zu einem Speditionsamte zusammengezogen.
Ein jedes Speditionsamt erhält eine Nummer; die Speditions-Büreaus, welche von demselben res-sortiren, führen dieselbe Nummer.


Auch diese Büros hatten im Laufe der Zeit unterschiedliche Benennungen: Zunächst "Post-Speditions-Büros", zwischendurch im 1. Halbjahr 1850 „Post-Speditions-Comtoirs", ab 1856 dann „Eisenbahn-Post-Büros" und schließlich ab 1875 "Bahnposten". Um nicht ständig die Bezeichnungen wechseln zu müssen, werde ich in diesem Artikel grundsätzlich die Bezeichnungen „Eisenbahn-Post-Amt (EPA)" und "Eisenbahn-Post-Büro (EPB)" verwenden.

Im Raum Danzig wurde die erste Bahnpost am 6. August 1852 zwischen (Bromberg-) Dirschau und Danzig mit den weiteren Bahnhöfen (und ab diesem Zeitpunkt auch Postorten) Hohenstein und Praust in Betrieb genommen. Hierzu wird aus dem Amtsblatt Nr. 31 folgende Verfügung vom 26.6.1852 zitiert:

Vom I. VIII 1852 ab wird für die zu eröffnende Eisenbahnroute zwischen Bromberg und Danzig ein neues Speditions-Amt in Wirksamkeit treten, welches die Bezeichnung Nr. 11 führen, seinen Sitz in Bromberg haben und der dortigen Kgl. Oberpostdirektion untergeordnet sein wird.

Dieses für Danzig zuständige EPA Nr. 11 hatte zunächst seinen Sitz in Bromberg. Über den Sitz-wechsel in der Folgezeit gehen die Angaben in der einschlägigen Literatur auseinander. Fest steht nur, dass das Amt laut Amtsblatt Nr. 51 vom 12.10.1852 noch in Bromberg, laut Amtsblatt Nr. 20 vom 20.5.1853 aber bereits in Dirschau war und am 12.10.1857 von Danzig wieder nach Bromberg verlegt wurde. Die (zvvischenieitliche) Verlegung von Dirschau nach Danzig soll im Juli 1854 erfolgt sein. Nach einer anderen Quelle soll die Verlegung von Bromberg nach Dirschau nach dem 24.4.1853 und vor dem 20.5.1853, von Dirschau nach Danzig vor dem 20.3.1854 erfolgt sein. Für die Bahnpoststempel sind diese Daten nicht relevant, weil das Amt nach bisheriger Erkenntnis kei-nen eigenen Aufgabestempel geführt hat. Die hier noch bestehende Unsicherheit spielt also stempelgeschichtlich keine Rolle.

Für die Bahnposttransporte gab es zweierlei Organisations- und Verfahrensweisen. Auf den Haupt-strecken erfolgte der Transport mit Beamtenbegleitung; dies waren die fahrenden (ambulanten) Eisenbahn-Post-Büros, die während der Fahrt die Post bearbeiteten („umspedierten").

Auf den Nebenstrecken und auch auf kürzeren Abschnitten der Hauptstrecken fungierten so ge-nannte Postkondukteure (später „Schaffner-Bahnpost" genannt). Ihre Arbeit hat sich von den Anfängen, als sie nur Post entgegen nahmen und an das nächste Postamt weiter gaben, immer mehr denen der EPB's angenähert, so dass der Unterschied schließlich im Jahre 1922 ganz aufgehoben wurde.

Es ist wohl einleuchtend, dass — vor allem anfangs - die postalische Behandlung dieser beiden Organisationsarten völlig unterschiedlich war. Auf Einzelheiten wird im folgenden noch eingegangen.

 

Rundschreiben 188, Literaturbeilage 997 A, 15. Juni 2000, Seite 2.


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Added: 23/11/2015
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