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>> Zur Beurteilung der philatelistischen Qualität und des Wertes einiger Danziger Inflationsstempel 

Der BPP verlangt vom Prüfer lediglich, die Signierung überhaupt zu unterlassen und korrekte schriftliche Äußerungen vorzunehmen. So heißt es in der Prüfordnung § 6 Absatz 4:

„Ganzstücke werden in der Regel nicht signiert, sondern nach Ziffer 5 behandelt, es sei denn, sie sind geringwertig (Ziffer 5 bedeutet Attest, Kurzbefund oder Befund)“. Übrigens schließen die philatelistischen Begriffsbestimmungen des Prüferbundes Bedarfverwendungen von Ganzstücken auch aus, wenn „rein theoretische (abstrakte) Beförderungskombinationen vorliegen (sehe auch Seite 1578 des Arge-RS 213 von 2006).

Kniep hat sich in einem langen Abwägungs- und Lernprozess mit mehreren Meinungsschwankungen ein wenig distanziert. Für eine akribische Längsschnittbeobachtung des Danziger Prüfwesens bis 1989 siehe übrigens bei Helmar Fanselau: INFLA-Prüfer von Danzigmarken, Manuskript 1989, ergänzt 2006.

Kniep hat jedoch z.B. immer noch festgehalten an der Infla-Kennung niedrigwerter Marken lediglich durch den INFLA-Rundstempel für „hin-reichend bestimmbare“ Stempel oder den Qua-dratstempel für Stempelexperten, die sich im Einzelfall nicht „hinreichend“ sicher sind (Formulierung des Verf.), wobei das aber auch über die „Unterlagen echt und zeitgerecht“ festgestellt werden kann. Was das o. A. für die Danzig-Philatelie bedeutet, wurde schon erwähnt.

Wir leben jetzt mit einer dritten Expertengeneration (alle 30 Jahre neu). Vieles scheint vergessen. Man fragt mich z.B. nach angeblichen nicht vorhandenen Unterlagen über das Danzigstempelwissen.

Hier nun eine ganz neue und doch alte Quelle, nämlich K. Knieps nur 20 Jahre alter Bericht über „Großer Innendienst, gestempelt und auf Brief“ (Arge Danzig, Beilage 908, 25.09.1987), eine wahre Fundgrube für Interessierte! Es werden rund 80 verschiedene Tage vom 20.08.1920 bis 12.11.1921 genannt, von denen ihm unterschiedlich viele Abschläge auf den Mi.-Nr. 47, 48 und 49 vorlagen. Es handelt sich um eine Marktauswertung von etwa 25 Jahren.

Und welche Stempel stehen von der Anzahl der Abschläge hier an erster Stelle? Natürlich die bekannten Sorte-II-Stempel wie ZOPPOT c, d, f sowie mit abnehmender, aber immer noch beachtlicher Anzahl die Stempel LANGFUHR f, DANZIG 1h, 1x, 4b, 5e und DANZIG Sch.A. d. Kein Wunder! Von den 6800 Stück „Großer In-nendienst“ -Marken kam grob gerechnet ein Drittel allein in verschiedene offizielle Hände oder wurde versteigert und zwei Drittel gelangteauf unbekannten Wegen ins Publikum.

Angeblich konnte jeder Postbeamte einen Satz kaufen. Eine Benutzung im postalischen Innen-dienst jedoch, wie der Name vermuten läßt, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es handelt sich also um eine Schutzbehauptung! Auch einwandfreie Bedarfsbriefe, die also entsprechende Kriterien erfüllen müßten, sind bis heute nicht aufgetaucht.

Übrigens waren neben dem ‚Großen Innendienst’ auch einige Marken des ‚Kleinen Innendienstes’ durchaus frankaturkräftig. So wären am 30.08.20 z.B. 2 x Mi-Nr. 35 für eine Ortspostkarte ausreichend gewesen. Was geschah nun, nachdem bei der Sammlerschaft gestempeltes Material in Mode kam? Man ließ nachstempeln! Daher ist die Kniep´sche Aufstellung ein ziemlich getreuer Spiegel der Vorgänge, die für den ‚Großen’ oder ‚Kleinen Innendienst’ in den Jahren 1920/1921 abliefen. Man mußte nämlich gefällige Postbeamte finden, um sein Stempelziel zu erreichen. Anscheinend war z.B. Zoppot ein Mekka dieser ‚Stempelfreunde’.

Die von Kniep aufgelisteten Stempel können benahe alle nach wie vor nicht als Sorte I anerkannt werden.

Die gleiche Abstempelungsproblematik entstand übrigens erneut nach dem Jahr 1923 bei den verspäteten Flugpostmarken Mi-Nr. 177 – 180, den Dienstmarken Mi-Nr. 36 – 40 und den Portomarken Mi-Nr. 15 – 21 sowie 26 – 29.

Nur sehr wenige Stempel auf den Großen-Innendienst-Marken und den eben erwähnten Dienst- und Portomarken erfüllen die Kriterien der Sorte I, sind also über die Jahre als verläßlich auch im Sinne der Werterhaltung von Sammelobjekten anzusehen. Es handelt sich nach den strengen Kriterien von Schüler in Bezug auf die hier zunächst nur zu behandelnden Großen-Innendienst-Marken nur um die Stempel DANZIG * 5 c, (6 Marken), * 5 f (5 Marken) und * 5 h (1 Marke) bei insgesamt von Kniep gefundenen 378 Abschlägen.

Das bisherige teilweise chaotische Beurteilungswesen (siehe dazu Fanselau) bedarf also dringend der Ordnung, die nach mehr als 85 Jahren moderner Danzigphilatelie durchaus möglich ist.

Die Arge Danzig wird als erstes vertrauensbildende Maßnahmen einleiten, die Deutungshoheit übernehmen und eine Prüfordnung sowie eine Liste der im Übrigen gar nicht so häufigen Sorte-II-Stempel erstellen. Außerdem wird es notwendig sein, eine Gutachterkommission für die Danzigstempelkunde zu berufen.

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Rundschreiben 215, Literaturbeilage 1, 01.02.2007, Seite 3.


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Added: 24/05/2008
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