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>> Aufdruck- und Stempelfragen.

>> Stempelbetrachtungen mit kritischen Augen, Teil 12
[Willy Deininger, Tel. 06081-41359]

Diese für den Luftpostweg zu spät in Danzig abgefertigten Sendungen erhalten in Berlin zwar den gewöhnlichen Luftpoststempel, den Kreisstegstempel mit Bögen oben und unten 'Berlin C2 Luftpost', da sie mit den Luftpostgebühren freigemacht sind, aber nicht den roten zweizeiligen Rechteckstempel 'Mit Luftpost befördert / Briefpostamt Berlin'.
Ein Stempeldatum vom 28.10.23 ist somit zumindest irregulär.
In Abstimmung mit Dr. U. E. Klein vertrete ich deshalb – bis zum Beweis des Gegenteils – folgende Hypothese;
Ab 21./22. Oktober standen in den Postämtern 1, 5, Langfuhr und Zoppot die ovalen Luftpost-Aufgabestempel nicht mehr zur freien und beliebigen Verfügung der jeweiligen Schalterbeamten. Sie wurden entweder von der Postamtsleitung bis auf weiteres unter Verschluss gehalten oder aber wegen der Ungewissheit zum weiteren Verlauf der Inflation und somit der Fortdauer des Flugverbots von der OPD Danzig eingezogen und zentral verwahrt. Wenn dem so war, können ab dem 22. Oktober keine gefälligen – wenn auch zeitgerechten – Entwertungen mit LP-Stempeln auf losen Marken oder 'gemachten' Briefstücken der Michel Nr. 177 – 180 vorkommen! Es würde sich dann um rückdatierte Abstempelungen aus den Jahren 1924 und später handeln, die folgerichtig als Stempelfälschungen einzustufen und zu kennzeichnen wären.
Der Stempel 'Südstrecke' gilt als Sonderfall.
Wie jede Hypothese kann auch diese widerlegt oder bestätigt werden. Alle interessierten ARGE-Mitglieder und die amtierenden Danzig-Prüfer sind dazu eingeladen.

1.3. Zum Luftpostaufkleber.
Dem grau-grünen Aufkleber - K. Wolff, Band 4: 'Aufklebezettel', Berlin 2007, vom 8.7.23 bis 26.7.24 nachgewiesen - kommt keine Beweiskraft zu. Er ist wahrscheinlich von einem belanglosen Beleg abgelöst und im Verlauf der Fälschungsprozedur in Danzig oder Nürnberg nachträglich aufgeklebt worden. Da er sorgfältig in der rechten oberen Ecke platziert wurde, ohne den benachbarten LP-Stempelabschlag zu tangieren oder zu überdecken, erübrigen sich weitere Überlegungen.

1.4. Zum Luftpostbestätigungsstempel.
Der sich auf dem 'Beleg' befindende Bestätigungsstempel stammt zweifelsfrei von einem originären Stempelgerät. Zur Verdeutlichung zeige ich die nachstehende Kopie, die sich auf einem meiner Belege aus dem Jahre 1923 befindet. Die Stempelfarbe ist rot.

*-  {Mit Luftpost befördert Postamt Nürnberg 2}

Von Dr. U. E. Klein ist mir bekannt, dass er sich zur Vorbereitung seines Artikels das Los 4060 der Fa. Felzmann zuschicken ließ, um es gründlich untersuchen zu können. Dabei stellte er u. a. fest, dass die rote Farbe des LP-Bestätigungsstempels unter der UV-Lampe keinerlei Reaktionen zeigte.
Bei meinen beiden LP-Belegen, die über Nürnberg liefen (Juli und September 1923), reagiert die Stempelfarbe lebhaft. Sie leuchtet - wie die DR Michel Nr. 33 b und 41 ab - eosinrosa auf. Für 'Nur-Danzig-Sammler' genügt ein Vergleich mit der LP-Marke Michel Nr. 203.
Neugierig geworden unterzog ich 28 LP-Belege meiner Deutschland-Sammlung aus den Jahren 1922 bis 1934 einem UV-Test.
Das Ergebnis;
6 x hellrosa - - - reflektierend aus den Jahren 1922-23.
5 x rosa - - - reflektierend aus den Jahren 1922-23.
5 x rosa  - - - reflektierend aus den Jahren 1926-31.
12 x d. -braun-violett --- ohne Reaktion aus den Jahren 1926-34.
Aus diesem Sachverhalt kann gefolgert werden, dass der LP-Bestätigungsstempel vom PA Nürnberg 2 erst ab Mitte der zwanziger Jahre abgeschlagen wurde.
Die Ursache für die unterschiedlichen Reflektionen könnte darin gesucht werden, dass die Stempelfarben-Hersteller Mitte der zwanziger Jahre die Ingredienzien der Farbe änderten.

1.5. Zur Kuvert-Rückseite.
Zum rückdatierten falschen Ankunftstempel bedarf es keiner weiteren Ausführungen (s. INFLA-Heft Nr. 13, Seite 65). Interessanter ist die Frage nach den fehlenden Stempeln.
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Arge Danzig, Rundschreiben 224, Seite 1946.


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Added: 25/07/2009
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