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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 228 - 3. Quartal 2010 » Briefmarken-Rundschau - Der gute Ruf der „Danziger“

Aus alten Zeitungen und Zeitschriften
[Vorgelegt von Ronald van Waardhuizen, Tel. 00323-2251616; E-Mail: ronny@danzig.org ]

Briefmarken-Rundschau.
Beilage Nr. 6 der „Danziger Zeitung“ vom 22. Juli 1920.
Der gute Ruf der „Danziger“:

Die Spekulation, das Schiebertum, hat im Osten in Allenstein und Marienwerder, ebenso wie im Westen, in Saarbrücken und anderen Orten des Saargebietes, in den letzten Wochen auf philatelistischem Gebiete wüste Orgien gefeiert. Das Wort „philatelistisch“, für das wir Briefmarkenfreunde bisher trotz aller Bemühungen noch keine treffendere deutsche Bezeichnung finden konnten, ist eigentlich zu schade, um in dieser Verbindung mit wilden Händlern und Leuten, die sich vorher nie mit Briefmarken befaßt haben, zusammengekoppelt zu werden. Gefördert wurden allerdings diese privaten Geschäftemacher durch die zum Teil sehr bedenkliche Art und Weise, wie die Ausgabe der Besetzungs- und Abstimmungs-Marken von Seiten der Entente ins Werk gesetzt wurde. Bekannt sind namentlich die wenig schönen französischen Maßnahmen in der Saargegend, wo drei verschiedenen Druckereien die Ausführung des Überdruckes der Germania-Marken übertragen und diese dann ohne strenge Kontrolle durchgeführt wurde. Auch in Marienwerder hat sich bei den ersten Provisorien bedauerlicherweise ähnliches abgespielt, so daß ein vom Spekulantentum angesteckter Setzer kürzlich einen Nachdruck mit den identischen Typen veranstalten konnte, in der allerdings missglückten Absicht, ihn später in Sammlerund Händlerkreisen mit großem Gewinn abzusetzen.
In unserem alten Danzig sind wir bisher von derartigen schlimmsten Auswüchsen bewahrt geblieben. Zwar tauchten anfangs (noch vor Erscheinen der Danziger Provisorien) in Stet¬tin, Berlin und anderswo Germaniamarken mit dem Aufdruck „Freistaat Danzig“ auf, allein dieser Schwindel schien doch zu durchsichtig, um lange vorzuhalten, und die Fälscher, denen man bald auf die Spur kam, dürften wenig Freude an ihrem Trick erlebt … haben. In Danzig handelte es sich bei der neuen Briefmarkenausgabe von Anbeginn an auch nicht um Maßnahmen ausländischer nicht bodenständiger Elemente, sondern man hatte es mit staatsrechtlichen Erwägungen zu tun, bei denen von vornherein Sammlerinteressen ausgeschlossen waren. Man ersah schon aus der wenig geschickten Inszenierung der Danziger neuen Ausgabe, die weder mit einer neuen Zeichnung, neuen Farben noch irgendwie originellen Aufdrucken … operierte, sondern die simple geradzeilige Linie „Danzig“ wählte, daß man von Seiten der zuständigen Kreise nicht auf die Börsen der Sammler spekulierte. Von führenden Gesellen und gewissen ausländischen Briefmarkenhändlern ist allerdings in Danzig auch versucht worden, im Trüben zu fischen, doch konnte man dieser Zunft bald das Handwerk legen, und eigentliche Fälschungen der Danziger Provisorien, auch der gesuchteren Werte, sind bisher nicht bekannt geworden. Wir stehen heute in Danzig in der Philatelie wie auf so manchen anderen Gebieten … in einer Übergangsperiode, in einem … Abwarten der Dinge, die da kommen sollen. Was aber im Besonderen unsere Danziger Postwertzeichen anbetrifft, so läßt sich doch in diesen Tagen schon annähernd in großen Umrissen voraussagen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Als gegebene Tatsache haben die Philatelisten vorläufig mit der erfolgten Ausgabe der Werte zu 5, 10, 15, 20, 30, 50 Pf, 1,00, 1,25, 1,50 2,00, 2,50, 3,00 und 5,00 M - abgesehen von den Ganzsachen - zu rechnen. Der als Hauptfrankatur so dringend benötigte 40-Pf-Wert ist zwar längst in Berlin bei der Reichsdruckerei bestellt, aber immer noch nicht eingetroffen. Er dürfte vielleicht, wenn er in der nächsten Zeit den Eisenbahntransport durch den polnischen Korridor heil und unversehrt überwinden kann, schon in der neuen Farbe des Weltpost-Vereins auf der Bildfläche erscheinen. Inzwischen ist die Nachfrage an den Postschaltern des Freistadt-Gebietes nach allen, besonders aber den Markwerten, seitens der Sammler so gewaltig, dass die Vorräte an verschiedenen Werten bereits bedenklich zur Neige gingen und z. B. der 5-Mark-Wert überhaupt nirgends mehr zu haben ist.
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Arge Danzig; Rundschreiben 228, 2010, Seite 2061.


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Added: 01/07/2010
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