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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 228 - 3. Quartal 2010 » Stempelbetrachtungen mit kritischen Augen, Teil 16

>> Aufdruck- und Stempelfragen:
Stempelbetrachtungen mit kritischen Augen, Teil 16.

Die Post willigte ein und fügte von sich aus noch einen 20-Mark-Wert hinzu; schließlich konnten die kleinen Werte zum Zeitpunkt des erwünschten Nachdrucks kaum noch verwendet werden. Als dann Anfang Januar 1923 die Händler die neuen Marken in Händen hielten, gab es lange Gesichter. Statt der erbetenen Nachdrucke mussten sie mit Neudrucken vorlieb nehmen. Zwar stimmten Zeichnungen und Druckfarben mit der II. Ausgabe überein, doch war ein neues Wasserzeichen (Wz. 3y statt Wz. 2x) verwendet worden. Angebote, Preislisten und Nummerierungen mussten somit angepasst werden. Eine Verwendung der Marken im Postverkehr war zudem bei den gestiegenen Gebühren nur erschwert möglich (eine Drucksache musste inzwischen mit 5 M freigemacht werden). Wie sich Friedrich von Neumann selbst behalf, zeigt der auf der Vorseite abgebildete Luftpost-Brief an einen Verwandten in Berlin.

Beurteilung:
Trotz der optischen Übermacht der vorderseitig verklebten Marken hat sich der Prüfer Volker Erdwin nicht irre machen lassen. Schließlich beträgt die Überfrankatur von 964 M gerade einmal 0,3 %. Sie ist als philatelistischer Schnickschnack einzustufen, überflüssig wie ein Kropf. Also: vorderseitig keine Signatur! Genauso gut hätte der Briefmarkenhändler Friedrich von Neumann Vignetten seines Hauses, Werbemarken der Freien Stadt Danzig oder auch Rabattmarken der Fa. Kaiser’s Kaffeegeschäft verkleben können, ohne Beförderung und Zustellung beeinflussen zu können. Der Hintersinn bestand aber darin, die zur Frankierung nicht mehr benötigten Flugpostmarken mit ihren kleinen Nominalen auf einem beförderten Brief abstempeln zu lassen.

Bewertung:
Sieht man die Beleg-Rückseite als maßgeblich an, liegt der Wert für eine MiF bei ca. 18 €. Betrachtet man dagegen den Beleg als nur geringfügig überfrankiert, – weil zulässig und meist auch üblich – so wird daraus eine kleine „Kostbarkeit“. Ausgehend von der Briefbewertung der teuersten Marke, der Mi.-Nr. 112 mit 450 Mi€, ergeben sich summa summarum auf Grund der Vorderseite ca. 1.550 Mi €. Zweifel an dieser Berechnung lassen sich mit Hinweis auf das Prüfverhalten der amtierenden Danzig-Prüfer zerstreuen. Schließlich liegt eine „zeitgerechte“ Entwertung vor, und die Postbeförderung ist erwiesen. Alles klar?

Resümee:
Im Vergleich mit der LP-Drucksache im RS 227, Seite 2034, ist dies ein minderwertiger Beleg mit dem Makel einer unnötigen Überfrankatur und gefälliger Abstempelung.

Mit Normalkost geht es weiter. Auf der 129. Felzmann-Auktion vom 26.-27. Februar 2010 wurden die beiden nachfolgend abgebildeten Lose einer Mi.-Nr. 100 Y angeboten.

*- 2673 F 100 Y a - o - - - € 100
50 Mk grosses Staatswappen rot/gold mit Wz. 2Y, zeitgerecht gestempelt,
Pracht, gerüft Soecknick BPP und Infla, € 220,-
*-  2674 F 100 Y b - o - - - € 100
100 Mk Grosses Staatswappen lilarot/gold mit Wz. 2Y, zeitgerecht gestempelt,
Pracht, geprüft Oechsner und Infla, € 220,-

Das Los 2673 ist ideal zentriert und zeitgerecht entwertet. Die Beschreibung und die Prüfung sind korrekt.
Los 2674 wurde im Katalog mit der Bezeichnung „100 Mk“ statt „50 Mk“ falsch beschrieben. Die Marke ist mit dem Stempel DANZIG * 5 c und dem Datum 22.5.22. 2-3N. entwertet, wobei die erste Ziffer der Jahreszahl auf dem Kopf steht (nicht im Wolff-Katalog aufgeführt). Der Stempel ist zwar schwach geraten, doch das ist nicht ungewöhnlich.

Arge Danzig, Rundschreiben 228, Seite 2069.


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Added: 01/07/2010
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