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Gallery » Rundschreiben 245 - 4. Quartal 2014 » Der Kampf um die Westerplatte

Vor 75 Jahren: Der Kampf um die Westerplatte

[Martin Jenrich, Tel. 030-9914166, eMail: martin.jenrich@web.de]

Die waldreiche Halbinsel Westerplatte entwickelte sich seit etwa 1830 zu einem Kurbad und war per Dampfer und später auch mit der Straßenbahn zu erreichen. Sie ist im Süden vom Hafenkanal und im Westen und Norden von der Ostsee umgeben und im Osten an der Verbindung zum Land ca. 60 m breit. Ihre Länge beträgt etwa 2 km, die größte Breite ca. 600 m.

Im August 1920 - während der sowjetischen Offensive auf Warschau im polnisch-sowjetischen Krieg - weigerten sich die Danziger Hafenarbeiter, für die polnische Armee bestimmtes Kriegsmaterial zu löschen. Deshalb nahmen englische Truppen die Entladung vor. Daraufhin forderte Polen von der „Freien Stadt Danzig“ ein Gelände zur Anlegung eines Munitionsdepots. Nach deren Weigerung wurde die Forderung dem Völkerbund übergeben, und dieser beschloss am 14. März 1924: Polen wird das Ostseebad Westerplatte „als Platz zum Löschen, Lagern und Transport von Sprengstoffen und Kriegsgerät“ zugestanden. Unter hohen Kosten, an denen sich Danzig beteiligen musste, wurden ein Hafenbecken ausgehoben, Lagerschuppen errichtet und ein Anschluss an das Eisenbahnnetz geschaffen.

Die Westerplatte war damit zwar kein polnisches Staatsgebiet, der Hauptteil der Halbinsel jedoch dem polnischen Militär vorbehalten und für Unbefugte nicht zugänglich. Die zulässige Stärke der Wachmannschaft wurde vom Völkerbund festgesetzt: 2 Offiziere, 20 Unteroffiziere und 66 Mannschaften. Die Stadt Danzig durfte nach einer Abmachung von 1928 zwei Polizeiposten an den Zugängen zur Westerplatte unterhalten.

Polen nahm die politische Entwicklung Deutschlands 1933 zum Anlass, die Westerplatte heimlich nachts mit Befestigungen auszubauen. Ab März 1939 wurden diese weiter verstärkt und die Besatzung bis zum 31. August auf etwa 218 Mann vergrößert. Zur Bewaffnung gehörten 1 Feldgeschütz, 2 Panzerabwehrkanonen, 18 schwere und 23 leichte Maschinengewehre sowie Gewehre, Pistolen und Handgranaten. Der Kampfauftrag für die Besatzung lautete, im Falle eines Angriffs die Stellung sechs Stunden lang zu halten. Bis dahin würden polnische Truppen in Danzig eingedrungen sein und die Besatzung befreit haben. Die Lage hatte sich jedoch inzwischen geändert: Das zum Entsatz der Westerplatte geschaffene Korps war aufgelöst worden. Am 31. August besuchte  der Leiter der Militärabteilung bei der polnischen Botschaft in Danzig die Westerplatte, informierte den Kommandanten über die aussichtslose Lage der Verteidiger und befahl, die Besatzung sollte zwölf statt der zuvor befohlenen sechs Stunden Widerstand leisten. Davon wusste aber nur der Kommandant, und nur er war auch über die Gesamtlage informiert.

Die ersten Pläne für den Überfall auf Polen sahen den 26. August 1939 als Stichtag vor. Abends am 24. August 1939 wurde auf hoher See eine Marinestoßtruppkompanie (MSK) auf das als Schulschiff dienende Linienschiff Schleswig-Holstein überbracht. Sie bestand aus 4 Offizieren, 1 Arzt und 225 Mann. Der Kapitän hatte Befehl, Danzig zum Besuch anzulaufen. Am Vormittag des 25. August lief die „Schleswig-Holstein“ im Rahmen eines Freundschaftsbesuches in Neufahrwasser im Danziger Hafenkanal ein. Den in feldgrau gekleideten Soldaten war es strikt verboten worden, an Deck zu gehen oder sich sonst in irgendeiner Form zu zeigen.

 

Arge Danzig, Rundschreiben 245, 4. Quartal 2014, Seite 2634.


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Added: 09/08/2015
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