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Gallery » Arge Danzig, Rundschreiben 209 - 4. Quartal 2005 » Meine dritte Reise nach Danzig

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>> Meine dritte Reise nach Danzig,
Martin Jenrich:

obwohl ein Schild es als Denkmal ausweist. – Wir überqueren die Straße Dirschau – Marienburg und fahren am Nogatdeich entlang nach Wernersdorf. Die Kirche ist aus dem Jahre 1604, besitzt einen Turm mit Schindeldach und ist gut erhalten. Wir finden noch ein deutsches Grab. Zwei ältere Schwestern, die auch unsere Bekannten aus Mielenz kennen, erzählen mir, daß sie bei Herannahen der Front ihre Häuser gen Westen verlassen mußten. Als sie zurückkamen, war alles gestohlen und vieles verwüstet - Zum Schluß wollen wir noch ein deutschstämmiges Ehepaar in Pieckel besuchen, das wir im letzten Jahr kennenlernten, treffen aber nur die Frau an, da der Mann im Krankenhaus ist. Auch hier bleibt nach kurzem Gespräch ein kleines Gastgeschenk zurück. Auf der Rückfahrt nach Danzig sehen wir in dem kleinen Altmünsterberg ein bewohntes Storchennest auf dem Kirchengiebel. Auch von diesem Ort einen Stempel zu bekommen, ist schwer. Am Abend schlendern wir durch die schöne Danziger Altstadt und erfreuen uns zum wiederholten Male an deren Wiederaufbau. Es ist bis spätabends sehr voll wegen des Dominikanermarktes. Leider ist es kalt und feucht.

Nun ist es schon Mittwoch, der 10.8.2005. Wir haben etwas Besonderes vor. Dieter Bronisch hat im Fernsehen einen gewissen Rudolf Frischkemut gesehen, der als Deutschstämmiger über die Frische Nehrung und die dortigen Orte sprach. Er müßte in Bodenwinkel wohnen. Obwohl es so aussieht, als ob wir eine Stecknadel im Heuhaufen suchen würden, sind wir guten Mutes. Wir machen uns auf den Weg über Weßlinken, Bohnsack mit neuer Kirche und durch das sich lang hinziehende Schiewenhorst mit seinem modernen Kirchenbau bis zur Seilzugfähre am Ufer des Weichsel-Durchbruchs. Nach kurzem Warten bringt uns diese für einen kleinen Obolus zum gegenüberliegenden Nickelswalde. Die Fahrt geht an einer modernen Kirche und einem Vorlaubenhaus vorbei, und wir erreichen Pasewark. Auch hier möchten wir erfahren, wo sich die deutsche Post befand und befragen einen alten Einwohner, der auch etwas deutsch spricht. Anscheinend gibts das Gebäude nicht mehr. Bei einer grimmigen Postangestellten in einer Containerpost geben wir Post nach Deutschland auf. Und dann sehen wir, daß die Kleinbahnstrecke Nickelswalde – Stutthof doch noch in Betrieb ist, und zwar mit extra für Touristen gebauten Wagen, gezogen von einer Diesellok. Wir fahren weiter nach Steegen. Der Ort zieht sich lang hin und besitzt eine denkmalgeschützte Kirche. Die alte Post ist wohl auch die neue Post, nur daß hier junge freundliche Leute bedienen und uns sogar einen Nebenstempel auf die Postkarte nach Deutschland drücken. Durch Stutthof fahren wir nach Bodenwinkel. In Kirchennähe frage ich eine ältere Frau nach dem Herrn Frischkemut und wo er denn wohne. Sie spricht einigermaßen deutsch und kennt ihn wirklich. Nur, er wohne in Stutthof, und sie wisse nicht wo. Also, zurück nach Stutthof. Wen soll man fragen? Auf einem Hof sehen wir einen alten Mann. Er kann nur wenig deutsch, weiß aber, wo der Gesuchte wohnt. Später stellt sich heraus, daß sich beide von der Arbeit her kennen. Wir bitten ihn ins Auto und lassen uns den Weg zeigen. Rudolf Frischkemut ist auch zu Hause und lädt uns mit seiner Gattin ins Haus. Das Ziel unserer heutigen Fahrt ist erreicht! Wir bleiben zwei Stunden, trinken Kaffee und sprechen mit beiden über Gott und die Welt, u. a. darüber, wie die Polen nach 1945 mit den Deutschen umgingen. Auch hier bleibt ein Gastgeschenk zurück. - Danach erfolgt noch ein Abstecher nach Pröbbernau, weil es so schön abseits und versteckt liegt. Wo hier ´mal eine Post war, ist nicht herauszubekommen. – Nun stehen noch Brunau und Schönbaum auf unserem Programm. Wir fahren nach Fischerbabke. Leider verfahren wir uns dann mehrmals und die Zeit läuft uns davon. Darum entschließen wir uns, nach Danzig zurückzufahren, das wir dann abends erreichen.

Zu später Stunde machen wir noch eine Fahrt nach Zoppot, um auf der Flaniermeile „Montecassino“, die zur Seebrücke führt, entlang zu schlendern. Da ist viel los, und man kann viel sehen.

Am darauffolgenden Donnerstag, dem 11.8.05, regnet es den ganzen Vormittag. Ab Mittag fahren wir zuerst nochmals nach Zoppot, um in einem Briefmarkenladen und in der schönen alten Post etwas zu kaufen und nach Hause zu schreiben. Danach bummeln wir in Danzig durch die Altstadt mit ihrem Trubel der Verkaufsbuden, entschließen uns dann aber, wegen des anhaltend schlechten und kühlen Wetters, einen Tag früher als vorgesehen abzureisen.

Auf der Rückfahrt nach Deutschland am Freitag, dem 12.8.05, kaufen wir zu kleinen Preisen schöne Steinpilze und Rotkappen, die am Straßenrand angeboten werden. Ein Einkaufsbummel auf dem Markt vor Stettin rundet die Rückfahrt, auf der es immer wärmer wird, ab.

Ja, das ist nun wohl vorerst der Abschluß der Erkundungen durchs ehemalige Danziger Postgebiet. Aber, wer weiß schon, wann uns wieder der „Danzig-Koller“ befällt? In ein paar Jahren kann man dort keinen mehr (auf deutsch) befragen, was so geschah in der Zeit, als Danzig noch deutsch war!

Arge Danzig, Rundschreiben 209, Seite 1464.


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Added: 09/02/2008
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